Zentralrat der Muslime in Deutschland bekennt sich zur Demokratie

20. Februar 2002, 15:32
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Ein "klerikaler Gottesstaat" wird abgelehnt

Berlin - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat sich in einer Erklärung klar zur rechtsstaatlichen und demokratischen Grundordnung bekannt. Die Gesellschaft habe ein Recht zu erfahren, wie die hier lebenden Muslime zu ihren Fundamenten stünden, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Nadeem Elyas bei der Vorstellung der "Islamischen Charta" am Mittwoch in Berlin. Diese "Grundsatzerklärung zur Beziehung der Muslime zum Staat und Gesellschaft" solle einen Beitrag zur "Versachlichung" der Diskussion über den Islam leisten. Gerade nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA sei eine "tiefgründigere Diskussion" nötig.

Der Zentralrat der Muslime ist einer von mehreren Spitzenverbänden der islamischen Organisationen in Deutschland. Ihm gehören 19 Dachorganisationen an, die rund 800.000 Moslems vertreten.

Ja zur deutschen Verfassung

In der Charta bejahen die im Zentralrat organisierten Muslime die deutsche Verfassung "einschließlich des Parteienpluralismus, des aktiven und passiven Wahlrechts der Frau sowie der Religionsfreiheit". "Daher akzeptieren sie auch das Recht, die Religion zu wechseln, eine andere oder gar keine Religion zu haben", heißt es weiter. Die "Herstellung eines klerikalen Gottesstaates" wird abgelehnt und "das System der Bundesrepublik Deutschland, in dem Staat und Religion harmonisch aufeinander bezogen sind", begrüßt.

Ebenso bekennt sich der Zentralrat zur Förderung eines "zeitgenössischen Verständnisses der islamischen Quellen". Deutschland solle für die hier lebenden Muslime "nicht nur Lebensmittelpunkt, sondern auch Mittelpunkt ihres Interesses und ihrer Aktivität sein". Die Integration der Muslime müsse "unter Bewahrung ihrer islamischen Identität" geschehen. Elyas bezeichnete die Charta als verbindlich für die im Zentralrat zusammengeschlossenen Organisationen. Zugleich ließ er erkennen, dass er auch innerhalb der islamischen Verbände mit Diskussionen über kontroverse Punkte rechne. (APA/dpa)

"Islamische Charta" des Zentralrats der Muslime in Deutschland
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