Autohandel gegen EU-Wettbewerbspläne

21. Februar 2002, 13:40
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Heimische Händler laufen gegen geplante Neuregelung Sturm - "Jobabbau droht"

Wien - Mit Händen und Füßen wehrt sich der österreichische Fahrzeughandel gegen die Pläne der EU-Kommission für mehr Wettbewerb im europäischen Fahrzeugverkauf. Die geplante Vorgabe, die so genannte Gruppenfreistellungsverordnung, treffe die Klein- und Mittelbetriebe und fördere die Marktmacht der Großketten. "Dadurch würde eine Fülle von Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen vernichtet", befürchtete Heinz Havelka, Vorsitzender des Bundesgremiums Fahrzeughandel, am Mittwoch vor Journalisten.

Dass Autos dadurch billiger würden, schließt er aus. Die Nettopreise würden sicherlich zwar binnen zwei Monaten europaweit angeglichen, der Handel werde sich aber sicher an den hohen Preisen orientieren, meint Havelka. Die falsche Hoffnung der Konsumenten habe jedoch bereits dramatische Auswirkungen: Im Jänner sei der Absatz im Autohandel um 10 Prozent zurückgegangen.

"Absolut genug" Wettbewerb

Nach Ansicht des Handels herrscht im österreichischen Autohandel schon jetzt "absolut genug" Wettbewerb. Die Hälfte aller Fahrzeughändler schreibe Verluste. Die guten Betriebe hätten gerade einmal eine Rendite von 0,5 Prozent, klagt Havelka.

Derzeit gebe es in Österreich rund 4.500 Autohändler, davon 2.700 Markenhändler. Havelkas Stellvertreter, Josef Schirak, erwartet, dass bei Erlass der EU-Verordnung gerade einmal zwei bis drei große Händler in Österreich den Markt dominieren würden. Die Großen würden die Kleinen schlucken. Angebote wie der Fahrzeugeintausch oder Ersatzteilservices würden wegfallen, befürchtet Schirak.

Alle Hebel gegen EU

Der heimische Fahrzeughandel will nun alle Hebel gegen die Pläne des EU-Wettbewerbskommissars in Bewegung setzen. "Wenn die Verordnung so kommt, denke ich darüber nach, wie ich meinen Laden verkaufen kann", meint Schirak. Er will sich nun an EU-Kommissar Franz Fischler wenden. Dieser solle bei "der endgültigen Abstimmung" über die Verordnung im Sommer die "österreichischen Interessen" einbringen, so der Kammerfunktionär. Am Freitag wollen die Autohändler im Wirtschaftsministerium ihre Ansichten darlegen.

Die geplante Verordnung der EU soll nach den Plänen von Wettbewerbskommissar Mario Monti vor dem Sommer nach einer umfangreichen Konsultation beschlossen werden und am 1. Oktober 2003 in Kraft treten. Demnach dürfte ein Händler, wenn er nach Qualitätskriterien ausgewählt wurde (Selektivvertrieb), künftig auch grenzüberschreitend aktiv werden. Ein niederländischer Autohändler könnte dann in Großbritannien einen Schauraum eröffnen und den VW-Golf dort um niederländischen Preis - zuletzt um 23 Prozent unter dem britischen Netto-Verkaufspreis - anbieten.

Der österreichische Handel sieht dies anders. Seiner Meinung könnte eine Preissenkung nur durch eine europaweite Senkung der Steuerquote erreicht werden. In Österreich fielen beim Kfz-Kauf bis zu 40 Prozent Steuer an, in Deutschland seien es nur 16 Prozent, so Havelka.

Für eine EU-weite Vereinheitlichung ist der Fahrzeughandel auch beim Vorsteuerabzug. Während Unternehmen in Deutschland auch die Umsatzsteuer zurückverlangen können, ist dies in Österreich derzeit nur für Lkw und Minivans möglich. "Allein aus Wettbewerbsgründen ist es nicht denkbar, dass wir lange in diesem Rechtszustand verweilen", meint Havelka. (APA)

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