Verhaltene Ehrung zum 50. Todestag Hamsuns

20. Februar 2002, 12:43
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Der Schriftsteller von Weltruf hatte sich durch sein Liebäugeln mit dem Nationalsozialismus selbst demontiert

Oslo - Der umstrittene norwegische Schriftsteller Knut Hamsun, der vor 50 Jahren im Alter von 92 Jahren starb, ist am Dienstag nur mit einer bescheidenen Ehrung auf dem Friedhof von Noerholm in der Nähe seines Sterbeortes Grimstad bedacht worden. Einige wenige Mitglieder der Hamsun-Gesellschaft legten auf dem Grab des Literatur-Nobelpreisträgers von 1920 Blumen nieder.

"Wir sind hier nur zu wenigen versammelt, aber wir wissen, dass wir die Blumen im Namen zahlloser Menschen in aller Welt niederlegen, die das Werk von Hamsun lieben", sagte Lars Roar Langslet, ein früherer norwegischer Kulturminister. Zur gleichen Zeit wurde in Kopenhagen an der Fassade eines Hauses in der Sankt Hansgade 18 eine Plakette zu Ehren Hamsuns enthüllt. Sie erinnert daran, dass der Autor dort 1888 mit der Arbeit an seinem bedeutenden Roman "Hunger" begann.

Hamsun, der auf unkritische Weise mit dem Nationalsozialismus geliebäugelt hatte und danach von den Nazis vereinnahmt worden war, ist in seiner Heimat heftig kritisiert worden. Er war am 19. Februar 1952 in Grimstad, 250 Kilometer südlich von Oslo, gestorben. Nach Kriegsende war dem Autor wegen seiner Sympathien für die Nazis der Prozess gemacht worden. Er verlor sein Vermögen, wurde unter psychiatrische Überwachung gestellt und verbrachte seine letzten Jahre in Armut. (APA/dpa)

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