Rundum-Check von Gretzky: "Alle hassen uns"

20. Februar 2002, 15:22
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Der General-Manager des kanadischen Eishockeyteams und selbsternannten Goldfavoriten ortet umfassende Ressentiments gegen seine Mannschaft

Salt Lake City - So erzürnt hat den Gentleman des Eishockeys in der Öffentlichkeit noch keiner erlebt. Wayne Gretzkys blaue Augen funkelten erregt, die Röte war ihm ins Gesicht gestiegen. "Die ganze Welt möchte uns verlieren sehen. Alle hassen uns", echauffierte sich der General-Manager des kanadischen Teams vor dem Viertelfinalspiel gegen Finnland am Mittwoch im E Center. Das olympische Turnier in Salt Lake City sei ein Duell zwischen Kanada und dem Rest der Welt. "Jeder hat sich gegen uns verschworen. Keiner hat Respekt vor uns", giftete Gretzky.

Prügelnde Medien

Die amerikanischen Medien würden auf seine Mannschaft einprügeln, die Gegner "schmutzigstes Eishockey gegen uns" spielen. In seinem Magen drehe sich alles, wenn er die Berichterstattung über sein Team im US-Fernsehen verfolge. Es mache ihn krank, wenn er die Schadenfreude in den Kommentaren über das Mutterland des Eishockey hört. "Sie reiben sich die Hände über unseren schwachen Turnier-Beginn. Daran ergötzen sie sich", beklagte Gretzky.

Foulende Gegner

Besonders erbost zeigte er sich über ein Foul des Tschechen Roman Hamrlik gegen Theo Fleury. "Wäre einer meiner Jungs so brutal eingestiegen, würden wir die Hooligans sein", ereiferte er sich und kündigte eine Revanche für das nächste Aufeinandertreffen der Beteiligten in der NHL an: "Ich würde nicht dabei sein wollen."

Sein verbaler Rundumschlag fand bei den Eishockey-Bossen kein Verständnis. "Die Behauptung, wir in Europa würden das kanadische Eishockey nicht mögen, ist blanker Unsinn", meinte der Schweizer Weltverbandspräsident Rene Fasel. "Unser Eis ist kein Platz, um Rache zu üben", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman, der Gretzkys Aussagen allerdings abschwächte: "Wayne propagiert keinen Hass, er propagiert Leidenschaft."

Hochmut ungebrochen

Trotz der "Demütigungen" zweifelt Gretzky nicht daran, dass seinem Team diesmal das gelingt, was ihm bei seiner einzigen Olympia-Teilnahme als Spieler nicht vergönnt war. Vor vier Jahren in Nagano hatte Gold-Favorit Kanada, der zuletzt vor 50 Jahren Olympiasieger wurde, lediglich den vierten Platz belegt. "Wir bleiben bis zum Schluss im Turnier", versprach der frühere Torjäger trotzig. Nur Gold zählt für die kanadischen Cracks, die ein Jahresgehalt von zusammen 118 Millionen Dollar (135,4 Mill. Euro/1,86 Mrd. S) kassieren. (APA/dpa)

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