Sharon stimmt härteren Maßnahmen gegen Palästinenser zu

20. Februar 2002, 18:57
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Sprecher Sharons droht Palästinensern mit "Anti-Guerilla-Kampf"

So hart wie schon lange nicht waren in der Nacht zum Mittwoch Israels Vergeltungsschläge auf Ziele im Gazastreifen und im Westjordanland, mindestens 15 Palästinenser wurden getötet. Der Grund für die Aktion war ein Überfall auf einen Kontrollposten bei Ramallah, bei dem Dienstagabend sechs israelische Soldaten erschossen worden waren - der größte Verlust für die Armee seit dem Beginn des Palästinenseraufstands. Premier Ariel Sharon, unter Kritik von rechts und von links, kündigte einen "neuen Aktionsplan" und eine "Änderung der Richtung im Kampf gegen den Terrorismus" an, versicherte aber, er werde das Land nicht in einen Krieg führen.

Hauptziel der israelischen Angriffe war die Zentrale der Autonomieverwaltung an der Küste von Gaza, Raketen töteten dort vier Angehörige von Yassir Arafats Garde. In Ramallah schlug eine Rakete in dem Gebäudekomplex ein, wo der Palästinenserchef seit Wochen festsitzt, Arafat blieb unverletzt und zeigte sich danach wenig beeindruckt: "Niemand kann es wagen, dem palästinensischen Volk Angst einzujagen", sagte er.

Aus palästinensischer Sicht war es ein militärischer Erfolg, dass es drei oder vier Männern gelungen war, in einer Blitzaktion die israelischen Soldaten zu überraschen, die eine Sperre an einer wenig benützten Straße überwachten. Die schmerzhaften Verluste kratzen an der Moral der Armee und haben auch einen praktischen Effekt: Straßensperren, an denen Soldaten relativ ungeschützt herumsitzen, sollen abgebaut werden.

Ein Sprecher Sharons drohte den Palästinensern nun mit einem "Anti-Guerilla-Kampf", eine Änderung der Politik werde es aber nicht geben - Israel wolle "die Situation nicht eskalieren". Der Rechtsopposition war das zu wenig - sie sprach von einem "einem absoluten und kompletten Versagen der Regierung" im Kampf gegen den Terror. Sharon begnüge sich damit, "leere Gebäude zu bombardieren".

Siedlungen auflösen

Auch von links wird die Kritik an Sharon immer lauter: Wenn eine politische Trennung im Rahmen eines Friedensvertrags nicht möglich sei und "unser Land auf der anderen Seite keinen Partner finden kann, dann gibt es nur einen Ausweg - uns aus den Gebieten zurückziehen und Siedlungen auflösen", sagte etwa Ran Cohen, ein Exminister der Linksunion Meretz.

Außenminister Shimon Peres bezeichnete es indes als Fehler, den Palästinensern nicht längst die Unabhängigkeit zugestanden zu haben. (DER STANDARD, Print vom 21.2.2002)

VOn Ben Segenreich aus Tel Aviv
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