Umfrage: Mehrheit lehnt weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit ab

20. Februar 2002, 17:21
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ÖGB-Präsident: Bartenstein soll "Angriffe auf Arbeitnehmer-Interessen" einstellen

Wien - Die von Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) vorgeschlagene Ausweitung der täglich zulässigen Höchstarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden stößt laut einer Aussendung des ÖGB von Mittwoch auf massive Ablehnung der Arbeitnehmer. Das bestätige eine vom Meinungsforschungsinstitut Ifes im Auftrag des ÖGB durchgeführte repräsentative Umfrage unter 500 Österreichern, wonach sich fast zwei Drittel (64 Prozent) gegen eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit aussprechen und nur 29 Prozent dafür sind.

"Unsere Politik entspricht damit klar den Wünschen der Arbeitnehmer dieses Landes", kommentiert ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch das Ergebnis. Alles was hinter der Forderung nach einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit stecke, sei die Beseitigung der Überstundenzuschläge und damit die Kürzung der Einkommen: "Die Menschen haben klar erkannt, dass es sich um ein reines Lohnsenkungsprogramm für die Unternehmen zu Lasten der Beschäftigten handelt", so der ÖGB-Präsident weiter.

75 Prozent der ÖGB-Mitglieder gegen Ausweitung

Noch deutlicher als unter der Gesamtbevölkerung ist laut ÖGB die Ablehnung des Bartenstein-Plans bei einer parallel dazu durchgeführten Umfrage unter 500 Gewerkschaftsmitgliedern. Von diesen sprechen sich 75 Prozent gegen die Ausweitung der täglich zulässigen Höchstarbeitszeit aus. Bei den Arbeitern unter den Gewerkschaftsmitgliedern ist die Ablehnung mit 85 Prozent am höchsten. Aber auch 69 Prozent der Angestellten sind dagegen.

Selbst die eigenen Parteigänger versagten ihrem Minister in dieser Frage die Gefolgschaft, heißt es weiter: In der Gesamt-Stichprobe befürworten nur 37 Prozent der ÖVP-Sympathisanten diese Idee, unter den gewerkschaftlich organisierten nicht einmal mehr ein Drittel (32 Prozent).

"Den Menschen ist bewusst, dass Minister Bartenstein wieder einmal ausschließlich in seiner Rolle als Wirtschaftsminister agiert. Wir fordern ihn auf, endlich auch seine Aufgaben als Arbeitsminister ernst zu nehmen und die Angriffe auf die Interessen der Arbeitnehmer einzustellen", fordert Verzetnitsch. (APA)

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