"Frankfurter Rundschau": Bush beherzigt Orwells "Krieg ist Frieden"

20. Februar 2002, 12:08
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Ohne "Achse des Bösen" hätte der US-Präsident für den Rest seiner Amtszeit keine Agenda mehr

Frankfurt/Main - "Schon die historisch falsche Analogie von der 'Achse des Bösen' deutet darauf hin, dass es George W. Bush in Pjöngjang, Teheran und Bagdad mehr um die Durchsetzung republikanischer Interessen als um eine korrekte Analyse der Bedrohung geht. Und spätestens die abenteuerliche Aufstockung des US-Rüstungsetats zeigt, wie sehr die Politik der Bush-Administration von biografischen Faktoren und ideologischen Kriterien geleitet wird. Hier werden vor dem Angstszenario alle konservativen Wünsche erfüllt. Das Geld ist an die Reichen verschenkt oder den Militärs versprochen. Ohne die 'Achse des Bösen' hätte Bush für den Rest seiner Amtszeit keine Agenda mehr", schreibt am Mittwoch die "Frankfurter Rundschau".

"In jedem Fall verwandelt sich der Krieg gegen den Terrorismus an diesem historischen 29. Januar (Rede Bushs zur Lage der Nation, Anm.) in einen Feldzug gegen Massenvernichtungswaffen. Als Bush den Kampf gegen die Netzwerke kurzerhand zur globalen Vorwärtsverteidigung gegen alle Diktaturen erweitert, klatscht der Kongress. Dass sich hier einer, der lange vor Interventionen ohne 'Exit-Option' gewarnt hatte, auf einen endlosen Krieg gegen 'das Böse' verpflichtete, ging unter im Applaus. 'War is peace' nennt George Orwell diesen Zustand in '1984': 'Krieg ist Frieden'. (...) Nach Russland, China, Indien und Israel ist jetzt auch die US-Regierung zum Trittbrettfahrer im eigenen Anti-Terror-Krieg geworden."(APA)

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