Schröder berät mit Murdoch

21. Februar 2002, 09:52
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Gespräche mit Banken und Medienunternehmen über KirchGruppe

Der anglo-australische Medienunternehmer Rupert Murdoch hat am Dienstag in Berlin mit Banken und anderen Medienunternehmen über die finanziellen Probleme der KirchGruppe gesprochen. Die KirchGruppe hat nach eigenen Angaben nicht an den Gesprächen teilgenommen.

In Berlin soll es auch um eine mögliche Übernahme des verlustreichen Bezahlsenders Premiere gegangen sein. Murdoch plane möglicherweise, die Mehrheit an dem Sender gemeinsam mit einem deutschen Partner von Kirch zu übernehmen, sagte der Branchenkenner. Der Medienkonzern Bertelsmann stellte aber am Mittwoch klar, er stehe nicht in Verhandlungen mit Murdoch. "Das ist Unsinn", sagte ein Sprecher.

Kanzler & Medienmagnat

Auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge mit dem australischen Medienmagnaten Rupert Murdoch die Krise bei der hochverschuldeten KirchGruppe beraten. Schröder habe Murdoch in Berlin getroffen. Murdoch habe dabei versucht, die Bedenken vor einem größeren Engagement in Deutschland zu zerstreuen.

Ausbezahlen

Zudem habe Murdoch erklärt, er wolle sich seine Investitionen in den Kirch-Abosender Premiere World in Höhe von bis zu 1,75 Mrd. Euro (24,1 Mrd. S) samt Zinsen ausbezahlen lassen. Murdoch habe sich in Berlin auch mit Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff getroffen. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen im Hause Bertelsmann, Murdoch wolle das Geschehen bei Kirch in Ruhe abwarten und sich nach einer möglichen Insolvenz billig aus der Konkursmasse bedienen.

Kirch will Formel 1-Anteil verkaufen

Die KirchGruppe ist wegen ihrer hohen Schuldenlast bereit, die Mehrheit an Premiere abzugeben. Darüber hinaus will Kirch nach Informationen der "Financial Times" Murdoch auch einen größeren Einstieg ins Fernsehgeschäft der KirchMedia ermöglichen. Der Kirch-Sprecher bestätigte dies nicht. Außerdem soll sich Kirch dem Zeitungsbericht zufolge entschlossen haben, seinen Anteil an der Formel-1 zu verkaufen. Kirch wolle demnächst Angebote für den Anteil an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft SLEC erbitten und Murdoch noch in dieser Woche kontaktieren.

Der Kirch-Sprecher sagte dazu, das Unternehmen sei an einer Erweiterung des Gesellschafter-Kreises bei der Formel 1 interessiert. Ob die Abgabe der Mehrheit geplant sei, wollte er nicht sagen. (APA/AP/dpa)

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