Kräftige Gewinnabstriche bei HVB

20. Februar 2002, 19:18
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Konzern-Chef Albrecht Schmidt hat mit schwacher Konjunktur zu kämpfen - Ergebnis durch Beitrag der Bank Austria aber besser als erwartet

München - Die bayerische HypoVereinsbank (HVB), Eigentümerin der Bank Austria, musste im vergangenen Jahr kräftige Gewinnabstriche hinnehmen, hat sich aber insgesamt besser behauptet als andere europäische Großbanken. Wie das Institut am Mittwoch in München mitteilte, verringerte sich der Gewinn vor Steuern um 30,5 Prozent auf 1,55 Mrd. Euro (21,33 Mrd. S). Der Jahresüberschuss war mit 938 Mio. Euro 35 Prozent niedriger als im Jahr davor.

Für die Analysten der zur Landesbank Hessen-Thüringen gehörenden Helaba Trust lag dieses reduzierte Ergebnis noch deutlich über den Erwartungen. Das Investmenthaus war von lediglich 544 Mio. Euro Jahresüberschuss ausgegangen. Insbesondere das Zinsergebnis und der Provisionsüberschuss seien besser als erwartet ausgefallen, hieß es. Tatsächlich stieg der Zinsüberschuss um 42,3 Prozent auf 7,3 Mrd. Euro. Der Provisionsüberschuss war mit 2,8 Mrd. Euro um 18,7 Prozent höher als im Jahr 2000.

Konsolidierung

Den Grund für den markanten Anstieg dieser beiden Positionen orten die Helaba-Analysten in der erstmaligen Konsolidierung der Bank Austria in der HVB-Bilanz. Für das Jahr 2000 war die damalige Neuerwerbung aus Österreich nur anteilsmäßig mit einem Zwölftel in der Bilanz berücksichtigt worden.

Auch an der Frankfurter Aktienbörse wurden die HVB-Ergebnisse positiv aufgenommen. In einem schwächeren Gesamtmarkt stieg das Papier bis gegen 16 Uhr um 3,7 Prozent auf 33,56 Euro. Zu dem Kursanstieg dürfte auch die Versicherung der HVB beigetragen haben, dass die Aktionäre trotz des Gewinnrückgangs auch für 2001 mit einer unveränderten Dividende von 85 Euro-Cent je Aktie rechnen können.

Viele Pleiten

Negativ fiel im vergangenen Jahr ins Gewicht, dass wegen der schwachen Konjunktur und der daraus resultierenden gestiegenen Anzahl von Firmenpleiten die Risikovorsorge für Kredite um 18 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro aufgestockt werden musste.

"Der abrupte Einbruch der Aktienmärkte, der drastische Konjunkturrückgang und die Integrationsarbeiten mit der Bank Austria haben uns 2001 vor sehr große Herausforderungen gestellt", kommentierte HVB-Chef Albrecht Schmidt die Ergebnisse. Da die Integration der Bank Austria jetzt weitgehend abgeschlossen sei, besitze das Institut aber schon für das laufende Jahr eine gute Ausgangslage. (red, DER STANDARD, Printausgabe 21.2.2002)

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