Axel Springer Verlag erstmals mit Verlust

20. Februar 2002, 20:31
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Zehn Prozent der Arbeitsplätze sollen abgebaut werden

Der Axel Springer Verlag will nach dem ersten Verlust in seiner Geschichte für 2001 keine Dividende an seine Anteilseigner und damit auch nicht an Großaktionär Leo Kirch zahlen. Der größte europäische Zeitungskonzern ("Bild", "Welt") weist für 2001 einen Verlust von 191 Mill. Euro (2,63 Mrd. S) aus nach einem Gewinn von 98 Mill. Euro im Jahr davor. Das operative Ergebnis war 2001 positiv. Maßgeblich für den Fehlbetrag seien "Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen", teilte der Verlag mit Sitz in Berlin und Hamburg am Dienstagabend mit. Der Medienkonzern will mit einem rigiden Sparprogramm wieder auf Kurs kommen und dabei bis Ende 2003 rund 10 Prozent der 14.000 Arbeitsplätze streichen.

Fortsetzung der "konsequenten" Reorganisation

Aus dem Stellenabbau, der Bereinigung von Beteiligungen sowie der Integration des Wilhelm Heyne Verlags in die neue Buchgruppe Ullstein Heyne List resultierten "erhebliche Belastungen", hieß es. Der Umsatz ging um 1,34 Prozent auf 2,863 Mrd. Euro zurück. Die "konsequente" Reorganisation setzt seit Jahresbeginn der neue Vorstandschef Mathias Döpfner um, der nach wie vor den Zeitungsbereich verantwortet. Er hatte mit der Zusammenlegung der Redaktionen von "Welt" und "Berliner Morgenpost" in der Hauptstadt schon kurz vor Amtsantritt für Aufsehen gesorgt (etat.at berichtete).

Konzentration auf Kerngeschäft

Döpfner konzentriert sich auf drei Ziele: Marktführerschaft im Kerngeschäft, Digitalisierung und eine internationale Ausrichtung des Geschäfts. Der Verlag hatte bereits im vergangenen Dezember nach dem Einbruch der Werbekonjunktur sowie "erheblichen Papierpreissteigerungen" ein negatives Jahresergebnis angekündigt, erstmals in der mehr als 50-jährigen Verlagsgeschichte.

Keine Dividende

Vom Ausfall der Dividende ist auch Großaktionär Leo Kirch betroffen. Der hochverschuldete Filmhändler hält ein Aktienpaket von 40 Prozent an der Axel Springer Verlag AG (ASV), für das zur Sanierung des Kirch-Imperiums bereits Übernahmeangebote vorliegen. Einem Dividendenausfall muss die Hauptversammlung noch zustimmen. Die Mehrheit am Verlag liegt mit 50 Prozent und einer Aktie bei der Witwe, Friede Springer, und den Erben des 1985 gestorbenen Verlegers.

In den beiden Vorjahren hatten die Aktionäre eine Spitzendividende von 1,43 Euro je Aktie erhalten. Von den 34 Mill. ASV-Aktien hält Kirch rund 13,71 Mill., wodurch sich für das Vorjahr eine Brutto-Dividende von knapp 20 Mill. Euro errechnet.

Springer/Kirch-Spekulationen

Die neue Vorstandsriege hatte zu Jahresbeginn die Verkaufsoption für ihr 11,5-Prozent-Pakets an Kirchs Fernsehfamilie ProSiebenSAT.1 wahrgenommen und damit einen Streit mit dem Münchner Medienunternehmer entfacht. "Es gab dazu kein juristisch sichere und wirtschaftlich vertretbare Alternative", bekräftigte eine Verlagssprecherin. Der Vorstand musste demnach im Sinne aller Aktionäre - rund zehn Prozent sind im Streubesitz - handeln und die Option wahrnehmen, die rund 770 Mill. Euro und damit mehr als den derzeitigen Börsenwert des Pakets einbringen soll. Kirch hat dagegen rechtliche Schritte angekündigt.

Ob Springer und Kirch künftig verbandelt bleiben, ist derzeit offen. Die HypoVereinsbank hat angeboten, Kirch rund 1,1 Mrd. Euro für das Springer-Paket zu zahlen, wobei möglicherweise auch die Dresdner Bank mit ins Boot genommen werden wird. Auch mehrere andere Investoren sollen Angebote für das Aktienpaket abgegeben haben. (APA/dpa)

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