Aus für Unschuld des Aggressors

19. Februar 2002, 21:03
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Opferschutz und härtere Strafen für Täter müssen umgesetzt werden - Ergebnisse der EU-Konferenz

Madrid - "Wir brauchen Gesetze, die eine deutlich protektionistischere Ausrichtung aufweisen. Zu lange ging unsere Rechtssprechung von der Unschuld a priori des Aggressors aus", sagte Spaniens Sozialminister Juan Carlos Aparicio am Dienstag auf dem MinisterInnen-Treffen in Santiago de Compostela.

Vorbeugung und Schutz

Spanien, das unter seiner derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft diese Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewalt unter Frauen vorgelegt hat, präsentierte auf der MinisterInnen-Konferenz neben der neusten Untersuchung über die bisherigen Maßnahmen der verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zur Bekämpfung des Problems auch einen Plan zur Vorbeugung und vor allem zur Verbessung der Schutzmaßnahmen für die betroffenen Frauen. Europaweit sollten Rehabilitationsprogramme für Aggressoren, spezielle Ausbildungsseminare für RichterInnen, ÄrztInnen und LehrerInnen sowie intensive Sensibilisierungskampagnen erfolgen.

Strafen verschärfen

Hiermit reagieren die EU-MinisterInnen auf die jüngste Untersuchung, wonach der jede fünfte Frau in Europa unter der körperlichen Gewalt des Ehemannes oder Lebensgefährten leidet. Spaniens Sozialminister Aparicio versicherte unterdessen, dass es notwendig sei, in Europa einheitliche Rechtssprechungen und Strafverfolgungen bei dieser Art von Verbrechen zu schaffen. "Es ist notwendig, die Strafen zu verschärfen, aber nicht ausreichend", so Aparicio gegenüber den spanischen Medien.

Erziehung: Sexismus bewusst machen

Aparicio hält die Vorbeugung am wirksamsten und wies auf die Bedeutung hin, die den Schulen zukommen könnte, um schon bei Jugendlichen sexistisches und gewalttätiges Verhalten zu unterbinden. Gleiches gelte auch für RichterInnen, welche über die in weiten Teilen der Bevölkerung als "Kavaliersdelikt" abgestufte Gewalt gegen Ehefrauen richten müssen. Besonders ihnen komme eine wichtige Stellung beim Schutz der Opfer zu. Auch sollten ÄrztInnen und PsychologInnen besser auf die Behandlung von misshandelten Frauen vorbereitet werden.

Junge Frauen seien mehr betroffen

"Die Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem, sondern ein öffentliches. Es ist kein gesellschaftliches Problem, sondern ein politisches." Mit diesen Worten machte auch die EU-Kommissarin für Arbeit und Soziales, Anna Diamantopoulou, auf das zunehmende Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Sie wies darauf hin, dass vor allem Frauen zwischen 15 und 44 Jahren unter der körperlichen Gewalt ihrer Lebenspartner leiden. (APA)

"Eliminating violence against women is a social necessity"
- Banner auf der Demonstration in Santiago de Compostela
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