Mathias Reichhold: Haiders "Platzhalter" ist wieder da

21. Februar 2002, 23:22
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Vor knapp einem Jahr hatte der neue Verkehrs- und Infrastrukturminister Mathias Reichhold mit der Politik abgeschlossen. Die Resignation angesichts seiner politischen Statistenrolle hatte ihn eingeholt. Zumal sein einstiger Herr und Erfinder Jörg Haider in Kärnten mit Finanzlandesrat Karl Pfeifenberger längst einen neuen Favoriten an seine politische Brust gedrückt hatte. Und so empfahl sich Reichhold als Haiders Erster Landeshauptmannstellvertreter "endgültig" - wie er damals wissen ließ. Damals strahlten Gattin Margit und der ältere Sohn Mathias. Der Gatte und Vater - die "Leihgabe an die Politik" - war ins Stammhaus zurückgekehrt.

Er wolle in Hinkunft nur mehr Bauer sein und sich der Familie sowie seinen beiden stattlichen Höfen in Silberegg und Thalhof widmen und ganz groß ins Geschäft mit Biowaren einsteigen.

Jetzt sind sowohl der Ärger als auch die Lust am Biolandbau wieder verraucht. Jörg Haider "bekniete" seinen allzeit bereiten "Ersatzmann für alle Fälle" allerdings schon länger, die Nachfolge der glücklosen Monika Forstinger anzutreten, doch der 44-Jährige bockte. Ungewöhnlich für einen, der stets bedingungslos dem ihm von Haider vorgezeichneten Jobhopping folgte, der ihn wechselseitig fallen ließ und wieder hochzog, wie es gerade passte. Diese gummiseilartige Dehnbarkeit trug ihm schließlich den Spitznamen "Haiders Jo-Jo" ein.

Der HTL-Absolvent war Kärntner Landjugendsekretär, als Jörg Haider ihn für die Politik entdeckte. Sofort wurde der "Hias" Mitglied der damaligen "Buberlpartie". 1988 startete seine politische Karriere an der Seite von Heide Schmidt im Generalsekretariat. Nach einem kurzen Gastspiel im Nationalrat wechselte Reichhold 1992 in die Kärntner Landesregierung, um als Haiders "Platzhalter" nach dessen Abwahl wegen der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" auf Kärnten aufzupassen. 1994 musste er seinen Platz wieder räumen und Neuentdeckung Karl-Heinz Grasser Platz machen.

Nach weiteren Stationen als Klubobmannstellvertreter und EU-Abgeordneter stieg Reichhold 1999 zum Ersten Landeshauptmannstellvertreter auf und war für Straßen-und Wohnbau, Familien und Sport zuständig. Als erstem Kärntner Regierungsmitglied wurde ihm die Entlastung für das Budget 2000 verweigert.

Als neuer Verkehrs- und Infrastrukturminister wird Reichhold allerdings bald in einen Loyalitätskonflikt kommen. Hat doch der Kärntner Landeshauptmann schon seine Begehrlichkeiten angemeldet. Die Zeiten, in denen er von seinem Wohnzimmerfenster auf seinem Anwesen in Silberegg aus auf das ferne Bärental blicken und mit seinem fünfjährigen Nachzügler Eisenbahn spielen kann, sind wohl wieder einmal vorbei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2002)

Von Elisabeth Steiner
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