Österreichs Unternehmen zahlen im EU-Durchschnitt zu viel

20. Februar 2002, 15:55
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Auch Sozialversicherungs- beiträge überdurchschnittlich

Wien - Würde die Steuerbelastung der Arbeit in Österreich auf EU-Durchschnitt liegen, würden die Unternehmen jährlich 60 Milliarden Schilling (4,36 Mrd. EURO) weniger an Steuern und Abgaben zahlen. Das sagte der Budgetexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), Gerhard Lehner, auf einer Veranstaltung des Managementforums am Dienstag.

Auch die Sozialversicherungsbeiträge würden über dem internationalen Durchschnitt liegen. Österreichs Unternehmen würden im Standortwettbewerb somit einen schweren Rucksack mitschleppen. Eine Senkung der Lohnnebenkosten wäre also unbedingt angebracht. Weiters sprach sich Lehner auch für eine Tarifsenkung aus, die zumindest 20 bis 25 Milliarden Schilling umfassen müsste. Alles darunter komme lediglich der "Karikatur" einer Steuerreform gleich.

Als Bedingungen für das Zustandekommen einer Steuerreform nannte Lehner ein ausreichendes Wirtschaftswachstum. "Die vom Wifo prognostizierten 2,8 Prozent werden allerdings zunehmend realistischer, dieser Punkt dürfte erfüllt werden", so Lehner. Als weitere Bedingung mahnte er eine strenge ausgabenseitige Disziplin ein. Sinnvoll wäre es, die verschiedenen Maßnahmen in Etappen auf zwei bis drei Jahre zu verteilen.

Fidelis Bauer, Leiter der finanzpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer, unterstrich, dass die Wirtschaft durch die deutlich gestiegenen Abgabenquoten bereits genügend Vorleistungen für die Budgetkonsolidierung geleistet habe. In einer Prioritätenliste reihe die Wirtschaftskammer Maßnahmen zur Standortverbesserung vor Steuersenkungen, die die Nachfrage belebten.

Karl Bruckner, Vorsitzender des Fachsenats für Steuerfragen in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder und Berater im Finanzministerium, kritisierte Bemühungen, nicht entnommene Gewinne in Unternehmen steuerlich zu entlasten, als unzureichend. Damit würde nur die "Innenfinanzierung" gefördert, Eigenkapitalzuschüsse etwa von Eigentümerseite blieben benachteiligt. Besser wäre eine allgemeine Eigenkapitalverzinsung. Bruckner forderte weiters die Einführung einer an das Handelsrecht angelehnten Konzernbesteuerung. (mimo, Der Standard, Printausgabe, 20.02.2002)

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