Kein Herz für "Kunstgolatschen"

20. Februar 2002, 11:28
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Stadtplaner sieht in den Flaktürmen wenig Nutzungspotenzial

Wien - "In Wirklichkeit taugen die für fast gar nichts." Klaus Steiner seufzt. Seit bekannt wurde, dass er für das Planungsressort erheben soll, ob die sechs Flaktürme sinnvoll genutzt werden können (DER STANDARD berichtete), rennen dem Beamten der MA18 (Stadtplanung) Menschen mit allerlei Ideen die Tür ein. Schließlich ist Steiner Spezialist für "unlösbare" Fälle: Er ist "Erfinder" des Flex, hat die Kabelwerke in der Oswaldgasse entdeckt und soll auch die Donaukanalufer beleben.

Die sechs Bunker, bedauert der Stadtplaner, böten aber wenig Hoffnung: "Die Räume sind eng, die Decken niedrig. Da kann man höchstens Archive einrichten."

Aber auch dagegen spräche ein gewichtiges Argument: Die Feuchtigkeit. "Ich habe einmal ein Buch 14 Tage liegen lassen - das sah aus, als hätte ich es ins Wasser geworfen." Dass MAK-Chef Peter Noever im Arenbergturm Teile der MAK-Sammlung lagere, widerspräche dem nicht: "Die Entfeuchtungsanlage dort ist so groß wie ein Einfamilienhaus."

Verwittert in Stücke

Plänen, die Türme zu be-oder überbauen steht Steiner aus historischen Gründen skeptisch gegenüber: "Da Kunstgolatschen draufzustellen wäre so, wie wenn man das Russendankmal rosa anmalen würde." Einstweilen droht allerdings eine dem Charakter der grauen Blöcke durchaus entsprechende künstlerische Gestaltung dem Zahn der Zeit zum Opfer zu fallen: Lawrence Weiners Friedensbotschaft "Zertrümmert in Stückee/In der Stille der Nacht" auf dem Turm im Esterházypark verwittert.

Das 1991 im Rahmen der Festwochen aufgebrachte Werk gilt als eine der wichtigsten Arbeiten des amerikansichen Künstlers - deshalb wundert sich der Galerist Hubert Winter, wieso die Kulturpolitik sich bisher nicht in die Debatten um die Gestaltung des Turmes eingebracht hat: "Die Investoren des Hotelprojektes haben zugesagt, die Arbeit zu restaurieren - wenn statt des Hotels jetzt aber etwas anderes auf den Turm kommt, wäre es wichtig, hier rasch aktiv zu werden." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2002)

Von Thomas Rottenberg
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