Zeichen stehen auf Sturm

20. Februar 2002, 11:24
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Spartenorganisation lässt Wogen hochgehen: Betriebsrat bangt um 11.000 Arbeitsplätze

Wien - Zwischen der Österreichischen Post AG, Vorstand und Betriebsrat finden am Mittwoch Schlichtungsgespräche statt. Streitpunkt ist die geplante Spartenorganisation; die Post soll auf die Bereiche Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter (Filialnetz) und KEP (Kurier-Express-Paket) aufgeteilt werden. Bereits vor den heutigen Gesprächen stehen die Zeichen aber auf Sturm.

Die Gewerkschaft wirft dem Vorstand vor, mit dem neuen Konzept 11.000 Arbeitsplätze zu gefährden und auf Grund des Wegfalls von Synergien Mehrkosten in Höhe von 250 Mill. Euro (fast 3,5 Mrd. S) zu verursachen. Außerdem spricht der Betriebsrat von der "Zerschlagung der Post".

Ausgliederung nicht ausgeschlossen

Der Vorstand schließt Ausgliederungen nicht aus. Den Vorwurf der Gefährdung der Arbeitsplätze und das Entstehen von Mehrkosten weist der Vorstand aber zurück. Ziel der Neuorganisation sei die nachhaltige Ergebnisverbesserung und die Vorbereitung der Post auf den Wettbewerb. Mit 1. Juli 2002 soll das neue Konzept operativ werden. Bis Mai will der Vorstand seine Businesspläne vorlegen.

Die Belegschaftsvertretung hat gemäß Paragraph 111 des Arbeitsverfassungsgesetzes "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung des Unternehmens" eingelegt und will im Fall einer Nichteinigung nach den heutigen Gesprächen zunächst die Wirtschaftskommission im Verkehrsministerium einschalten. Gleichzeitig schließt der Betriebsrat - angesprochen auf die Möglichkeit eines Streiks - mittlerweile aber "gar keine Maßnahme mehr aus". "Wenn man nicht will, werden wir alle nötigen Maßnahmen setzen, um einen Kamikaze-Flug für die Post zu verhindern", so ein Mitglied des Zentralausschusses.

Eine Entscheidung über die genaue weitere Vorgangsweise der Gewerkschaft soll am Freitagvormittag bei einer Sitzung des Zentralausschusses fallen. Eigentümervertreter Michaelis meinte, "es wäre schade, wenn ein Poststreik die Umorganisation verlangsamen würde".

Der Betriebsrat hatte vergangene Woche gemäß Paragraf 111 des Arbeitsverfassungsgesetzes "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung" des Unternehmens eingebracht. Der Vorstand weist in einem Schreiben an den Betriebsrat, die Vorwürfe nun scharf zurück und erklärt, dass der zitierte Paragraf 111 überdies seiner Ansicht nach nicht anzuwenden sei. Der Betriebsrat beharrt auf dem Einspruch will nun "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen, um seine Zahlen zu beweisen.

Der Aufsichtsrat der Österreichischen Post hatte am Montag bei einer Sondersitzung "unter dem Grundsatz der Prozessgeschlossenheit" die Aufteilung des Unternehmens in fünf Geschäftsfelder - Infomail (Werbesendungen), Mediendienste (Zeitungszustellung), Brief, Schalter (Filialnetz) und KEP (Kurier-Express-Paket) - sowie sieben Serviceeinheiten bis 1. Juli beschlossen.

Bis zu 11.000 Arbeitsplätze gefährdet

Laut Betriebsrat würden bis zu 11.000 Arbeitsplätze gefährdet. Auf der anderen Seite koste die Fünfteilung der Post auf Grund des Wegfalls von Synergieeffekten jährlich 250 Mill. Euro (3,44 Mrd. S). Zudem drohe der Post mit der Neuorganisation die Zerschlagung, betonte der Betriebsrat wiederholt.

Der Post-Vorstand schließt unterdessen Ausgliederungen nach der Neuorganisation nicht mehr aus. "Ausgliederungen können, müsse aber nicht sein", sagte Post-Sprecher Michael Homola am Dienstag zur APA. Primäres Ziel sei aber die nachhaltige Ergebnisverbesserung und die Vorbereitung der Post auf den Wettbewerb. (APA)

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