Rauchen als "weltweite Epidemie"

21. Februar 2002, 14:52
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Europa sagt gesundheitsschädlichem Qualm den Kampf an - Totalverbot für Tabakwerbung inklusive

Warschau - Gesundheitsminister und Vertreter des Gesundheitssystems aus 51 europäischen Staaten haben sich am Dienstag zur Verstärkung des Kampfes gegen das Rauchen verpflichtet. Zum Abschluss der Warschauer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO für ein tabakfreies Europa beschlossen sie im Rahmen des Vierten Aktionsplans, hohe Tabaksteuern, ein Totalverbot für Tabakwerbung, Kampf gegen den Zigarettenschmuggel und die Förderung wirtschaftlicher Alternativen zur Tabakproduktion durchsetzen zu wollen. Nikotin sei ein abhängig machendes Gift und die Nikotinsucht eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen in Europa, hieß es in der am Abend verabschiedeten Abschlusserklärung.

"Die Einstellung zum Rauchen muss sich drastisch ändern"

Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, David Byrne, forderte zuvor - wie berichtet - mehr Mut beim Kampf gegen das Rauchen. "Die Einstellung zum Rauchen muss sich drastisch ändern", sagte Byrne. Vor allem Jugendliche müssten davon überzeugt werden, dass Rauchen keineswegs "cool" sei, sondern ihre Gesundheit gefährde und ihre Lebenserwartung verringere. "80 Prozent der Raucher fangen im Alter unter 18 Jahren an", betonte der EU-Kommissar. "Sie sind zu jung, um eine bewusste Verbraucherentscheidung zu treffen."

Byrne forderte mehr Staaten übergreifende Zusammenarbeit: "Wir brauchen globale Strategien, um mit dieser weltweiten Epidemie umzugehen." Nötig seien strengere Gesetze, auch für den besseren Schutz von Nichtrauchern vor den Gefahren des Passivrauchens am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen.

Umsetzung, bitte warten

Den vorangegangenen Dritten Aktionsplan haben die beteiligten Länder allerdings nicht alle erfolgreich umgesetzt, wie die WHO auf der Konferenz berichtete. Keines der selbstgesteckten Ziele sei in den vergangenen vier Jahren in allen Mitgliedstaaten erreicht worden, hieß es. Immerhin sei in fast 80 Prozent der Staaten Rauchen im öffentlichen Raum verboten oder eingeschränkt. Doch nicht einmal die Hälfte der europäischen Staaten habe nationale Aktionspläne gegen das Rauchen verabschiedet oder direkte oder indirekte Werbung für Tabakprodukte verboten.

Obwohl sich alle europäischen Staaten verpflichtet hätten, bis zum Jahr 2001 durch Besteuerung den Preis für Tabakprodukte um mehr als die durchschnittliche Inflationsrate zu erhöhen, sei dies nur in Großbritannien, Frankreich, Griechenland und Italien gelungen, hieß es in dem WHO-Bericht weiter. Schweden senkte dagegen aus Furcht vor einem Anstieg des Schmuggels die Tabaksteuer, und in Dänemark ging der reale Preis für Zigaretten zurück. Nur in zwölf europäischen Staaten ist den Angaben zufolge die Tabaksteuer zweckgebunden zur Finanzierung des Gesundheitsschutzes.(APA/dpa)

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