"Wallstreet Journal": Indiz gegen Enron-Manager

19. Februar 2002, 15:14
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Geschäftsbericht über nicht ausgewiesene Partnerschaft mit Chewco entdeckt

Washington - Die vom Kongress veranlasste Untersuchung zum Zusammenbruch der Enron Corp, Houston, hat ein erstes Indiz ans Tageslicht gebracht, das für ehemalige Enron-Manager gefährlich werden könnte. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) in seiner Dienstagausgabe schreibt, entdeckten die Ermittler im Geschäftsbericht des Jahres 1999 einen Satz, der beweisen könnte, dass die Führungsriege entgegen ihren bisherigen Beteuerungen doch Kenntnis von den in der Bilanz nicht ausgewiesenen Partnerschaften hatte. Diese hatten den Konkurs des Energiehändlers größtenteils verursacht.

Die Rede ist in der fraglichen Textpassage von JEDI, hinter der sich die Partnerschaft Chewco verbirgt. Diese war 1997 von einem ehemaligen Managing Director des Energiehändlers gegründet worden, um einen Anteil von 50 Prozent an JEDI zu erwerben, der sich zuvor im Besitz der kalifornischen Investmentgesellschaft Calpers befand. Im Jahr 1993 hatten Enron und Calpers die 500-Mio-USD-Partnerschaft JEDI gegründet, deren Geschäftsgegenstand Investitionen in Energieprojekte waren. Im Jahr 1997 hatte Enron dann den Calpers-Anteil von 50 Prozent an JEDI erworben.

Beteiligung abgestoßen

Allerdings musste Enron diese Beteiligung bis zum Ende des Jahres 1997 abstoßen, ansonsten hätte der Konzern nämlich JEDI-Verbindlichkeiten von 700 Mill. Dollar (803 Mill. Euro/11,05 Mrd. S) in seiner eigenen Bilanz ausweisen müssen. Zu diesem Zweck wurde dann Chewco gegründet. Diese Gesellschaft wurde nicht nur von dem ehemaligen Managing Director von Enron geführt, sondern sie wurde überwiegend durch Darlehen seines Arbeitgebers finanziert, lediglich eine Einlage von 11,5 Mio USD wurde durch außenstehende Investoren aufgebracht.

Dies allerdings erachtete das Enron-Management als ausreichend, um Chewco als Partnerschaft zu bezeichnen, was im Endeffekt dazu führte, dass die Verbindlichkeiten von JEDI nicht in der eigenen Bilanz auftauchten. Die Erwähnung von JEDI im Geschäftsbericht des Jahres 1999 erhält Brisanz in Kombination mit Protokollen von Vorstandssitzungen, in deren Verlauf die Darlehen an Chewco genehmigt wurden.

Dokumente als Indiz auslegbar

Denn die Ermittler werten diese offiziellen Dokumente dem "WSJ" zufolge nun als Indiz dafür, dass die gesamte Führungsmannschaft von Enron sehr wohl über die systematische Auslagerung von Verbindlichkeiten via Partnerschaften Bescheid wußte. So liege nun endlich ein konkreter Anhaltspunkt dafür vor, dass Enron in betrügerischer Absicht die Bilanz geschönt habe, so die Zeitung. Untersucht werde nun, mit welcher Berechtigung Partnerschaften wie Chewco überhaupt als solche bezeichnet wurden.

Die ehemaligen Führungskräfte sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen LLP hatten bis dato vorgegeben, keinerlei Kenntnis über Chewco und deren Verhältnis zu Enron gehabt zu haben. Weder Enron noch die Sprecherin von deren ehemaligem Chairman und CEO, Kenneth Lay, wollten zu dem Satz im Geschäftsbericht des Jahres 1999 und den neuen Indizien einen Kommentar abgeben, schreibt das "WSJ". (APA)

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