Umbaupläne mit freiheitlichem Stock-Schock

19. Februar 2002, 13:45
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Aufstockung soll Sanierung eines baufälligen Eckhauses in der Leopoldstadt ermöglichen

Wien - "Das ist ein Leger", empört sich der FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski. Anlass seiner Verärgerung ist die Änderung einer Flächenwidmung im 2. Bezirk - und dabei geht es um ein einziges, baufälliges Haus, jenes an der Ecke Praterstraße/Aspernbrückengasse. Dieses soll aufgestockt und saniert werden, die Umwidmung fand vor einem Jahr statt.

"Ursprünglich haben wir uns überhaupt nichts Böses dabei gedacht", erklärt Madejski seine Sicht der Dinge. "Als der Widmungsentwurf in den Bezirk und in den Ausschuss kam, war eine Erhöhung von Bauklasse III auf Bauklasse IV, also auf 21 bis 22,5 Meter Höhe vorgesehen."

Als der gleiche Akt dann im Mai 2001 in den Gemeinderat kam, habe er die Unterlagen nicht mehr kontrolliert und zugestimmt. "Jetzt zeigt sich, dass die Bauklasse für dieses eine Haus noch einmal auf V - also auf 26 bis 27,5 Meter abgeändert wurde. Das ist einfach unglaublich." Dass es sich dabei um ein Haus der Kultusgemeinde handelt, sei führ ihn dabei zweitrangig.

"Dass der Herr Madejski Flächenwidmungspläne nicht entsprechend liest, ist wirklich sein Problem", weist der Leopoldstädter Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (SP) die freiheitliche Empörung zurück. Und auch Klaus Vatter, der Leiter der zuständigen MA 21A kann die Aufregung nicht nachvollziehen: "Dafür gibt es doch eine öffentliche Auflage, damit noch allfällige Änderungen einfließen können. Das ist doch nichts Außergewöhnliches."

Tatsache sei jedenfalls, dass zum Zeitpunkt der öffentlichen Auflage die Jurierung eines geladenen Wettbewerbes für dieses Objekt erfolgte. "Diesen Wettbewerb hat der Entwurf von Adolf Krischanitz gewonnen, der eine Höhe von 24,5 statt 21 Metern vorsah. Das ist dann berücksichtigt worden", erläutert Vatter. Dies, so Bezirksvorsteher Kubik, sei auch im Fachbeirat der Stadt Wien "präsentiert und akzeptiert" worden.

Die hohen Nachbarn

Und sowohl Vatter als auch Kubik verweisen auf das direkte Umfeld des Gebäudes: "Da gibt es das Unica-Gebäude mit 80 Metern, der Galaxy-Tower wurde um fünf Etagen aufgestockt und genau gegenüber steht das hohe ATV-Gebäude", erinnert Kubik.

Der Leopoldstädter FPÖ-Gemeinderat Josef Wagner hingegen spricht von einer "drohenden Gefahr durch Verschandelung", von einer "Zerstörung des auf der Praterstraße gewachsenen Kulturerbes" und beantragte eine Bürgerversammlung.

Kubik, der eine umfassende Bürgerinformation zum Projekt ankündigt, fragt dagegen: "Was ist denn die Alternative? Das Haus kaufen und sanieren würde locker 7,3 Millionen Euro kosten - das geht sich hinten und vorne nicht aus." (Roman Freihsl; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2002)

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