Schutz traditionellen Wissens

19. Februar 2002, 13:21
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Indien richtet digitale Bibliothek von uralten Heilmitteln ein

Neu-Delhi/Boston - Indische Forscher haben sich zum Ziel gesetzt ihr traditionelles Wissen in Zukunft auch selbst zu verwalten. Aus diesem Grund wird eine digitale Bibliothek geschaffen, die Patente für traditionelle Heilmittel und Medikationen schützen soll. Bisher sind rund 250.000 Dollar für die Schaffung der digitalen Bibliothek aufgewendet worden, die bereits im Juni laufen soll. Das berichtet BBC-online vom internationalen Wissenschaftstreffen der AAAS, das derzeit in Boston über die Bühne geht.

"Wir wollen versuchen traditionelles Wissen und moderne Technologie zu verschmelzen", so Ragunath Mashelkar, Direktor des Council of Scientific and Industrial Research in Neu-Delhi, der die digitale Bibliothek einrichtet. Damit soll verhindert werden, dass ausländische Pharmakonzerne Patentrechte auf Heilmethoden und Heilmittel einbringen, die von der lokalen Bevölkerung seit Generationen angewendet werden. 1996 gab es in Indien große Aufregung darüber, dass ein US-amerikanischer Konzern Patente auf wundheilende Bestandteile in Kurkuma (Gelbwurz), einem wesentlichen Bestandteil von Currypulver, angemeldet hat. In Indien wird Gelbwurz seit Jahrhunderten als Heilmittel verwendet.

Laboratorium der Natur

Der Forscher erhofft sich dadurch auch, dass in Zukunft Patentanmeldungen für traditionelle Heilmittel und – methoden von internationalen Pharmakonzernen hinfällig werden. "In den meisten Entwicklungsländern gibt es seit Jahrhunderten eine sehr spezialisierte Form von Heilmethoden und Praktiken, die von Menschen entwickelt wurden, die praktisch das Laboratorium der Natur benutzt haben, das auf empirische Weisheit und Erfahrung begründet ist", so der Forscher. Es gebe in Indien Heilpflanzen, die Magengeschwüre zwei bis dreimal schneller heilen können als jegliche Medikamente.

"Vielfach scheint es daran zu scheitern, dass es bisher an einer Sammlung solcher traditioneller Methoden gefehlt hat", so der Forscher. Im Zentrum stehe das Wissen um ayurvedische Medizin. Der Wissenschaftler hofft auch, dass andere Länder wie China, Indonesien und lateinamerikanische Staaten ähnliche Datensammlungen schaffen werden. Auch die World International Property Organisation (WIPO) will mit einer internationalen Gruppe versuchen, die Patent-Klassifikation weltweit zu ändern. (pte)

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