Petritsch soll als Zeuge auftreten

19. Februar 2002, 13:06
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Österreichischer Spitzendiplomat und Bosnien-Beauftragter von Carla del Ponte bereits kontaktiert

Brüssel - Der österreichische Spitzendiplomat und derzeitige internationale Beauftragte für Bosnien-Herzegowina, Wolfgang Petritsch, wird voraussichtlich als Zeuge der Anklage im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag auftreten. Chefanklägerin Carla Del Ponte habe Petritsch bereits kontaktiert, hieß es am Montag Abend nach einem Treffen der EU-Außenminister in Brüsseler EU-Kreisen.

Petritsch wolle der Einladung aber erst nach seiner Ablösung als Bosnien-Beauftragter nachkommen, die Ende Mai vorgesehen ist, hieß es weiter. Del Ponte hatte Petritsch bereits im März vorladen wollen. Petritsch hatte abgelehnt, solange er seine derzeitigen Funktion bekleide. Nachher ließe sich darüber reden. Petritsch soll als österreichischer Botschafter bei der UNO und der WTO nach Genf wechseln.

Der Nachweis einer direkten Verantwortung Milosevics an der "ethnischen Säuberung" in Bosnien-Herzegowina, der über 250.000 Menschen zum Opfer gefallen sind und die zur Vertreibung von zwei Millionen Menschen führte, werde allerdings schwierig sein, hieß es im Umkreis von Petritsch. Im Kosovo sei die Beweislage einfacher. Eine Schlüsselrolle im Prozess gegen den ehemaligen Diktator wird laut EU-Kreisen der früheren Präsidentin der Republika Srpska, Biljana Plavsic, zukommen. Sie hatte sich im Jänner des Vorjahres freiwillig dem Kriegsverbrecher-Tribunal gestellt.

Milosevic hatte seinerseits Anfang Februar angekündigt, dass er prominente westliche Politiker wie den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, dessen Vorgänger Helmut Kohl, UNO-Generalsekretär Kofi Annan, den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, den britischen Premier Tony Blair sowie den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac als "direkte Beteiligte" am Balkankonflikt und dem Friedensabkommen von Dayton von 1995 in den Zeugenstand rufen lassen will. In Dayton hatte der Westen ein Friedensabkommen ausgehandelt, um den Konflikt in Bosnien-Herzegowina zu beenden. (APA)

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