Grafik aus der Mogul-Zeit in Linz entdeckt

19. Februar 2002, 12:49
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Fund indischer Kunst im Stadtmuseum Nordico wird als sensationell gewertet

Linz - Einen als "sensationell" bewerteten Fund indischer Kunst gab das Linzer Stadtmuseum Nordico am Dienstag bekannt. Bei der wissenschaftlichen Erforschung der außereuropäischen Grafiken wurde ein in dieser Art einmaliges Blatt aus der Mogul-Zeit um 1660 entdeckt.

Die Darstellung eines aus acht Frauenkörpern zusammengesetzten Pferdes mit einem gekrönten Herrscher als Reiter und zwei Begleitfiguren trägt die aus dem 19. Jahrhundert stammende Beschriftung "Ächt Chinesisches Gemälde". Das Blatt wurde der Universitätsprofessorin Ebba Koch vorgelegt. Sie gilt als eine der renommiertesten Expertinnen auf dem Gebiet der Mogulkunst. Sie ist sogar die einzige Person aus der westlichen Welt, die vom Archaeological Survey of India die Genehmigung erhielt, im Taj Mahal zu forschen. Koch konnte das Blatt als eine Arbeit aus einer Miniaturhandschrift aus der Zeit um etwa 1660 identifizieren, die unter dem Mogulherrscher Aurangzeb Alamgir in Rajasthan entstanden ist.

Miniaturkunst

Die wissenschaftliche Analyse ergab zudem, dass das Linzer Original in der Pferdedarstellung im Detail einem Ölbild des niederländischen Künstlers Willem Schellinks (1627 bis 1678/Amsterdam) entspricht, das sich heute im Museé Guimet in Paris befindet. Es sei somit ein weiteres Beispiel für das Phänomen, dass längst, ehe literarische Werke aus dem muslimischen Indien bekannt wurden, die Miniaturen eine Quelle der Inspiration für europäische Künstler waren, wie unter anderem bei Arcimboldo oder Rembrandt, sind sich die Kunstexperten einig.

"Mit dem neu entdeckten Meisterwerk außereuropäischer Miniaturkunst wird die internationale Bedeutung der Grafischen Sammlung des Nordicos als wichtigste Spezialsammlung neben der Albertina in Österreich einmal mehr bestätigt", freut sich der Linzer Kulturreferent, Vizebürgermeister Reinhard Dyk. Ausgiebig gewürdigt werden soll der Fund im Kunstjahrbuch der Stadt Linz 2000/01, das ab Ostern im Stadtmuseum erhältlich ist. (APA)

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