"Todesfall Tron": CCC bezweifelt Selbstmord

20. Februar 2002, 11:34
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Behörden stellten Ermittlungen im Fall des Hackers "Tron" ein - Freunde fordern endgültige Klärung auf neuer Webseite

Der "Todesfall Tron" sorgt weiterhin für heiße Diskussionen. Im Oktober 1998 wurde der Hacker Boris F., besser bekannt als "Tron", in einem Park in Berlin-Neukölln erhängt aufgefunden. Die Ermittlungen dauerten bis zum Sommer 2001. Danach verkündete die Berliner Staatsanwaltschaft das offizielle Ermittlungsergebnis: Selbstmord. Von Seiten der Freunde und Bekannten von "Tron", vor allem vom Chaos Computer Club (CCC) wird und wurde dieses Ergebnis immer bezweifelt. Nun melden sie sich mit der Webseite Tronland.net zurück und wollen die Öffentlichkeit informieren.

Zahlreiche ungeklärte Spuren

Nach Meinung seiner Freunde gebe es einfach zu viele ungeklärte Spuren sowohl am Tatort wie auch am Leichnam. Auch von seiner Persönlichkeit sei Tron keineswegs ein potentieller Selbstmordkandidat gewesen, so seine Freunde. Im Internet fanden sich immer wieder neue Fakten und unbeantwortete Fragen. Antworten ließen sich jedoch keine finden, weder von den Behörden noch von den Freunden. Ein wesentlicher Punkt, der zum Ergebnis "Selbstmord" führte, war das laut Ermittlern fehlende Tatmotiv; dies will der CCC allerdings kennen.

Mordmotiv: Die sichere Verschlüsselung

Aus Sicht des CCC ist das wahrscheinliche Mordmotiv in der Diplomarbeit von "Tron" zu finden. Diese trug den Titel "Realisierung einer Verschlüsselungstechnik für Daten im ISDN B-Kanal". Im Gegensatz zu den Behörden gehen Trons Freunde davon aus, dass der Hacker eine absolut unknackbare Verschlüsselungsmethode, das so genannte "Cryptofon", entwickelt hatte. Der Ansatz war, dass Verschlüsselungsalgorithmen zwar sicher sind, jedoch nicht die Geräte, auf denen sie Verwendung finden. Bei herkömmlichen Verschlüsselungsalgorithmen können Geheimdienste viele Hintertüren und Trojanische Pferde in Anwendersoftware, Betriebssysteme und sogar in die Chiparchitektur der Hardware einschmuggeln und so die Verschlüsselung unwirksam machen.

"Cryptofon"

Bei Trons "Cryptofon" wären solche Hintertüren angeblich ausgeschlossen gewesen. Diese Innovation ist ein Verschlüsselungsgerät für Daten und Sprache in Echtzeit. Zwar verwendete Tron die gleichen, und bewährten, Verschlüsselungs-Algorithmen wie PGP, nämlich RSA und IDEA, doch hätten sich Geheimdienste nicht an der Hardware zu schaffen machen können.

Einfach und überschaubar

Besonders die extreme Einfachheit und Überschaubarkeit von Hard- und Software des Cryptofons beeindruckte seine Freunde. Durch die Verwendung offener Algorithmen und die Offenlegung aller Konstruktionsdetails wäre das Cryptofon ein echter Durchbruch gewesen und hätte ein unerreicht sicheres Verschlüsselungsgerät bedeutet. Laut Tronland.net hätte das "Cryptofon" für einen Stückpreis von rund 100 Euro realisiert werden können.

Verschwörungstheorien?

Allerdings haben sich auch schon einige Gegner dieser Mordtheorie zu Wort gemeldet. Viele sehen in den Äußerungen zum Tod des Hackers nur "abstruse Verschwörungstheorien". So hat etwa der Autor Burkhard Schröder, er verarbeitete die Geschichte Trons in dem Buch "Tron - Tod eines Hackers" (1999 erschienen bei Rowohlt), in einem offenen Brief dem CCC bereits im Dezember 1999 "bewusste Irreführung" und Vorenthaltung von Fakten vorgeworfen.(red)

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