US-Studie: Meeresspiegel steigt schneller als prognostiziert

16. Februar 2002, 21:05
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Eisschmelze wurde unterschätzt - 20 Zentimeter noch in diesem Jahrhundert möglich - Küstenlinien würden sich damit um 20 Meter verschieben

Boston - Der Meeresspiegel wird neuen US-Studien zufolge schneller steigen als bisher vorhergesagt. Die Gletscher und Polkappen seien im vergangenen Jahrhundert deutlich geschmolzen, und der Eisrückgang habe sich seit 1988 stark beschleunigt, berichteten Wissenschafter am Samstag auf der weltgrößten fachübergreifenden Forschertagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) in Boston.

Verdoppelung

"Die Rate des Eisverlustes hat sich seit 1988 mehr als verdoppelt", teilte der Geologe Prof. Mark Meier von der Universität Colorado in Boulder mit. Das zwischenstaatliche Forschergremium zum Klimawandel (IPCC) habe die weltweite Eisschmelze womöglich aus verschiedenen Gründen unterschätzt. So habe es die Beschleunigung seit den späten achtziger Jahren nicht einbezogen.

Die Eisschmelze könne in diesem Jahrhundert zu einem Meeresspiegelanstieg von mindestens 20 Zentimetern beitragen, warnen die Experten. Das IPCC war laut Meier von fünf bis elf Zentimetern ausgegangen. Zudem steige der Meeresspiegel, weil sich das Wasser erwärmt und damit ausdehnt. Das IPCC hatte Anfang 2001 für dieses Jahrhundert einen Anstieg des Meeresspiegels um insgesamt neun bis 88 Zentimeter vorhergesagt. Vor allem die Gletscher der Nordhalbkugel werden laut IPCC schmelzen, während es in der Antarktis zu vermehrten Niederschlägen und damit einem Eiszuwachs kommen könnte. Ein Anstieg von 30 Zentimetern bedeutet laut Meier eine Verschiebung der Küstenlinie um 30 Meter oder mehr.

Auch nördliches Eis lag bisher auf Land

Neue Daten von der Universität Alaska zeigen laut Meier, dass insbesondere die großen Gletscher an der Westküste von Alaska und Nordkanada rasch schwinden. Dies sei bisher unterschätzt worden.

Nach Auskunft von Prof. David Robinson von der Rutgers Universität (US-Bundesstaat New Jersey) geht nicht nur die Schneebedeckung in Nordamerika und Europa zurück, die Schneeschmelze im Frühjahr setze auch immer eher ein. Robinson hatte Satellitendaten der Nordhalbkugel aus den vergangenen 30 Jahren ausgewertet. Er könne zwar nicht sicher darauf schließen, dass die frühe Schneeschmelze mit den von Menschen produzierten Treibhausgasen zusammenhänge, kombiniert mit dem Temperaturanstieg und anderen Daten sei dies aber ein weiterer Hinweis, dass der Mensch das Klima bereits beeinflusst. (APA/dpa)

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