Frauen wollen nicht "in männlichen Endungen" mitgedacht werden

19. Februar 2002, 13:03
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Gender Mainstreaming ist noch lange nicht umgesetzt - wie die jüngste Äußerung eines Bezirksvorstehers zeigt

Wien - "Trotz der Verpflichtung aller politischen AkteurInnen in Wien, Gender Mainstreaming umzusetzen, kommt es immer wieder zur offenen Diskriminierung von Frauen", kritisiert die Grüne Landtagsabgeordnete, Monika Vana.

Jüngster Anlassfall - Bürgerinnenbrief

Der Bezirksvorsteher des 3. Bezirks, Erich Hohenberger, antwortete einer Bürgerin auf die Frage, warum zu einer "Bürgerversammlung" und nicht zu einer "BürgerInnenversammlung" geladen worden sei mit der schlichten Antwort, dass das Wort 'Bürgerversammlung' ohnehin weiblich sei. "Das ist natürlich glatter Blödsinn", so Vana.

Vorbild von diskriminierendem Umgang

"Richtig ist", bestätigt Vana, "dass in der Wiener Stadtverfassung (§104c) tatsächlich nur von 'Bürgerversammlung' die Rede ist. Die Grüne Frauensprecherin: "Menschen in öffentlichen Funktionen und Ämtern müssen sich ihrer Verantwortung und Vorbildwirkung im diskriminierungsfreien Umgang mit Menschen klar werden. Die Frauen in dieser Stadt haben ein Recht darauf, explizit angesprochen zu werden, anstatt sich in männlichen Endungen mitdenken zu müssen."

"Hohenberger soll in eigenen Beschlüssen nachlesen"

Besonders empörend findet Vana, wie dieser Bezirkskaiser sprachliche Gleichbehandlung und die Verwendung weiblicher Endungen ins Lächerliche zieht. "Ein typisches Beispiel für einen diskriminierenden Amtsinhaber. Herr Hohenberger soll besser in den eigenen Beschlüssen der Bezirksvertretung nachlesen. Dort gibt es einen von ihm unterzeichneten Beschluss zur geschlechtsneutralen Sprachverwendung auf Bezirksebene", meint Vana.

Gender Mainstreaming umsetzen

An Frauenstadträtin Renate Brauner richtet Vana die Empfehlung, den auf Druck der Grünen unlängst verabschiedeten Beschluss, Gender Mainstreaming auf Bezirksebene zu verankern, endlich umzusetzen, und als ersten Schritt umgehend verpflichtende Schulungen zum Gender Mainstreaming für BezirksrätInnen anzubieten. "Schließlich ist hier der unmittelbare Kontakt zu den BürgerInnen am häufigsten. Die Bewusstseinsbildung für geschlechtsspezifische Ungleichheiten ist hier von besonders großer Bedeutung", argumentiert Vana.

Abschließend kündigt Vana einen Antrag auf Änderung der Stadtverfassung an, der weibliche Endungen verankern soll. (red)

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