Gulag

19. Februar 2002, 18:08
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RAU: "Gulag in der Karibik" titelt der Kurier in der Sonntagsausgabe.

Eine Reportage über Fidel Castros Arbeitslager? Nein, gemeint ist das Militärgefängnis der USA in der Enklave Guantánamo auf Kuba, wo fast 200 Afghanen, Saudis und Angehörige anderer Nationalitäten wegen Verdachts auf Terrorismus festgehalten werden.

Wer schickt der außenpolitischen Redaktion des Kurier ein Exemplar von Alexander Solschenizyns "Archipel Gulag"? Damit dort der Unterschied zwischen dem US-Hochsicherheitsgefängnis und dem sowjetischen Lagersystem, in dem Millionen "durch Arbeit vernichtet" wurden, klar wird? Die Methoden in Guantánamo - Drahtkäfige, Fesselung, verbundene Augen - sind sehr hart. Die Gefangenen dort sind allerdings sehr gefährlich. Man zog die Lehren aus dem Gefängnisaufstand von Ma- zar-e Sharif, wo ein paar Hundert Taliban- und Al-Qa'ida-Fanatiker eine Selbstmordattacke starteten und amerikanisches Verhörpersonal töteten und dann niedergebombt werden mussten.

Trotzdem müssen die Bedingungen in Guantánamo ständig von außen überprüft werden. Sie mit dem stalinistischen Massenmord zu vergleichen, zeugt von antiamerikanisch unterfütterter Unprofessionalität. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19. Februar 2002)

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