Peking setzt auf den "Nixon-Effekt"

18. Februar 2002, 19:41
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30 Jahre nach dem historischen Besuch des US-Präsidenten reist Bush nach China

Die Pekinger Führung bereitet in einer Propagandakampagne ihre Bevölkerung auf ein Gipfeltreffen mit US-Präsident George W. Bush am Donnerstag und Freitag vor, das "geschichtswürdige Bedeutung" gewinnen soll. Der nur 30-stündige Arbeitsbesuch des US-Präsidenten werde unter dem Motto des "weiteren Ausbaus von konstruktiven Beziehungen" stehen, berichtete das Pekinger Magazin Liaowang. Tageszeitungen erinnerten an den 21. und 22. Februar 1972, als Richard Nixon als erster US-Präsident zu einem Besuch nach Peking kam, "der die Welt veränderte". Bush habe für seine jetzige Reise mit Absicht diese Tage gewählt. Er wolle zeigen, dass er mit seiner Chinapolitik in die Fußstapfen Nixons tritt, berichten Regierungsbeamte.

Für Peking, das vor einem schweren innenpolitischen Jahr mit dem Generationswechsel der politischen Führung, der Umsetzung seiner WTO-Mitgliedschaft und Wachstumsproblemen als Folge des Einbruchs der Weltwirtschaft steht, kommt der Besuch gelegen. Die USA würden ihre Abkehr von einer Politik, China als strategischen Konkurrenten zu betrachten, verfestigen und das Land neues außenpolitisches Profil gewinnen lassen.

Formeln zu Taiwan

Allein das rechtfertigt in Pekings Augen, dass sich die Präsidenten nur vier Monate nach der Apec-Konferenz in Schanghai erneut treffen. Unbequeme Themen sollen umschifft werden, wie Beobachter berichteten, die mit den Vorbereitungen des Treffens vertraut sind. Dazu gehöre, den Status quo für Taiwan nicht zu verändern oder infrage zu stellen. Peking protestierte auch nur pflichtschuldig, als die USA jetzt ankündigten, noch in diesem Jahr ihr Versprechen einzulösen und Taiwans Marine vier Zerstörer zu liefern sowie beim Bau von acht zugesagten dieselbetriebenen U-Booten helfen zu wollen. Washington unterstützt offiziell die Ein-China-Politik, besteht aber auf einer friedlichen Lösung. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.2.2002)

STANDARD-Korrespondent Johnny Erling aus Peking
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