Erster ORF-Gipfel

18. Februar 2002, 19:23
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Direktor für Onlineaktivitäten: Mannschaft gesucht

Im engsten Kreis bastelte die ORF-Spitze dieses Wochenende in Krumbach an ihrem Arbeitsprogramm: Zugelassen waren neben Generaldirektorin Monika Lindner lediglich die vier bereits bestellten Direktoren für Information, Programm, Radio und Finanzen.

Als Thema hätte sich etwa die Buchungslage im Fernsehen aufgedrängt. Informationen über eine "sehr traurige" Entwicklung der TV-Werbung im zweiten Quartal will ORF-Direktor Alexander Wrabetz aber nicht bestätigen: "Wir haben immer für die zweite Jahreshälfte 2002 mit Aufschwung gerechnet, insofern stimmt mich das zweite Quartal nicht traurig." Bei der Klausur sei das im Übrigen "kein Thema" gewesen.

Besetzungsreigen . . .

Auf der Agenda hat die ORF-Spitze dieser Tage die noch offene Besetzung der Direktoren für Technik und für Onlinefragen. Der neue Chef von Internet & Co stellt den Küniglberg auch vor Organisationsfragen: Bis auf ORF On sind dezentral etwa bei Ö3, Ö1 und in den Landesstudios Mitarbeiter und Abteilungen mit Onlineaktivitäten beschäftigt, aber ihren jeweiligen Direktoren unterstellt. Bleibt es dabei, hat der Direktor nur eine kleine ihm direkt zugeordnete Mannschaft.

Der Technikdirektor wiederum erbt Probleme, etwa das höchst kostspielige Projekt eines neuen Newsrooms für die TV-Information. Spekulationen, man könnte schon deshalb entgegen bisherigen Plänen auf einen teurer zugekauften Manager von außen verzichten, werden in der Umgebung der Generaldirektorin bezweifelt. Wie auch der dazu (wieder) kolportierte Name des Ö3-Technikers Andi Gall.

...und Gehaltsfragen

Am 27. Februar soll der Finanzausschuss Gehaltsrahmen für von außen geholte Direktoren festlegen, am 12. März der Stiftungsrat die beiden fehlenden Direktoren bestellen. Wie auch die neuen Chefs der ORF-Vermarktungstochter Enterprise.

Wrabetz bestätigt unterdessen Überlegungen für weitere Tochterunternehmen: Eine für die Vermarktung von ORF-Eigenproduktionen - vergleichbar der deutschen ZDF Enterprises - machte Sinn, erklärt der gegenüber dem STANDARD.

Auch die Mitarbeiter müssen sich unterdessen den Kopf zerbrechen, wie sie mit dem neuen ORF-Gesetz umzugehen haben: In einer Schwerpunktveranstaltung in der zweiten Märzhälfte lassen sie sich im Presseclub Concordia von Verfassungsrechtler Heinz Mayer, von einem Arbeitsrechtler sowie Kommunikationswissenschafter Roman Hummel genau erklären, wie diverse Bestimmungen - etwa über die Pflicht zur Unabhängigkeit für die gesamte Belegschaft - zu verstehen sind. (fid/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 19. Februar 2002)

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