UMTS: Netz ohne Nutzer - Von Johanna Ruzicka

18. Februar 2002, 19:34
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Auch wenn jetzt für den Herbst von einzelnen Herstellern Mobiltelefongeräte angekündigt werden, die den kommenden, schnellen Standard UMTS integriert haben, darf man sich nicht täuschen: Die Branche steckt in einer entsetzlichen Zwickmühle.

Die Netzbetreiber können nicht loslegen, weil Endgeräteanbieter und Contentlieferanten noch keine Angebote auf dem Markt haben. Die Endgerätehersteller wissen nicht recht, wie sie die Handys konzipieren sollen, weil die Inhalte noch nicht feststehen, die über UMTS versandt werden sollen. Auch ist das Bauen von Geräten, die in alten und neuen Netzen taugen, eine technologisch anspruchsvolle Aufgabe, die ihre Zeit braucht. Die Contentlieferanten wiederum sehen keine ordentlichen Abrechnungssysteme und tappen gänzlich darüber im Dunkeln, welche Inhalte künftig nachgefragt und bezahlt werden.

Mit einem Durchbruch zum Massenmarkt ist deshalb nicht so schnell zu rechnen. Dies ist aber notwendig, haben die meisten Netzbetreiber doch (in selbst entfachter Euphorie) hohe Lizenzgebühren für die entsprechenden Frequenzen gezahlt. Zwar wird immer wieder betont, dass diese Gelder zumindest in den Ländern bereits abgeschrieben wurden, in denen nicht absurde Summen gezahlt werden mussten - der Druck, möglichst schnell in den Markt zu gehen, ist dennoch da. Denn gleichzeitig mit dem Erhalt der Lizenz haben sich die Mobilfunkbetreiber verpflichtet, UMTS zu einem festgelegten Zeitpunkt einem Teil der Bevölkerung anbieten zu können.

So stehen die Netzbetreiber mit dem Rücken zur Wand. Je später Endgeräte und Dienste in großer Zahl kommen, desto später können die hohen Schulden bedient werden, die zum Erwerb der Lizenzen und zum Netzaufbau angehäuft wurden. (DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2002)

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