Zurückhaltende Volksvernichtung

19. Februar 2002, 21:45
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Werner Schwabs Radikalkomödie im Grazer Schauspielhaus

Ein Jahrzehnt nach der Uraufführung in München zeigt das Grazer Schauspielhaus Werner Schwabs Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos, die Radikalkomödie, die dem Dramatiker zu seinem internationalen Durchbruch verhalf. Ganz neu ist sie hier nicht: Das Theater im Bahnhof hat sie 1997, drei Jahre nach Schwabs Tod, aufgeführt.

Cornelia Crombholz inszenierte in der anheimelnden Enge der Probebühne im Dachboden des Hauses das ganz und gar nicht anheimelnde, alkoholdurchtränkte und neurosengeschwängerte Leben der Bewohner eines Grazer Mietshauses recht zurückhaltend. Dabei hätten gerade Georg Peetz, der den von der Mutter schwer unterdrückten Hermann Wurm mimt, und Katharina Ortner als Frau Grollfeuer mehr Hilfe gebraucht, um sich in die Schwabsche Sprache hineinzufinden.

Wenn Hermann Wurm aus dem Rockzipfel seiner Mutter heraus buchstabiert: "Niemand kann mir Graz aus dem Leben herausnehmen", glaubt ihm niemand. Ganz anders das weibliche Oberhaupt der Familie Kovacic (Frederike von Stechow), die mit dem Text lebendig unverkrampft umgeht, dass es eine Freude ist. Stechow, ihren Bühnentöchtern Susanne Weber und Nadja Brachvogel sowie dem Bühnenbild von Susanne Maier-Staufen, in dem das substandardisierte Seelenleben der Protagonisten von den Wänden blättert, gebührt das große Lob des Abends.
(cms/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 2. 2002)

Schauspielhaus,
Hofgasse 11
8010 Graz,
(0316) 80 08-44
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