Showdown bei Spieleboxen

20. Februar 2002, 15:18
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Microsoft, Sony und Nintendo fokussieren den europäischen Markt

Cannes - Das kennerische Fachpublikum auf der Content- und Spielemesse Milia in Cannes gab sich sicher und unerbittlich. Gefragt, wer die aktuellen "console wars" - die Konkurrenz zwischen den drei konkurrierenden elektronischen Spielemaschinen der neuesten Generation - gewinnen werde, votierten satte zwei Drittel für die Play Station 2 von Sony. Ein Viertel gab Microsoft mit seiner Xbox den Vorrang. Nur eine schmale Außenseitergruppe glaubte an die Zukunft von Nintendos Game Cube.

Es geht um viel Geld. Der globale Markt mit Computerspielen hat kürzlich den Umsatz an den Kinokassen überrundet. Mit den neuesten Spielekonsolen wird das Terrain möglicherweise neu aufgeteilt. Sony tritt als Platzhirsch auf, denn es konnte durch eine frühe Einführung von PS2 im November 2000 gut ein Jahr Vorsprung gegenüber der Konkurrenz herausholen und bereits um die 20 Mio. Konsolen verkaufen.

Microsoft und Nintendo haben kurz vor Weihnachten 2001 aufwändige Starts in den USA und in Japan hingelegt. Die eigentliche Konfrontation aber ist für 2002 geplant, und Europa, nach den USA und Japan der dritte große Regionalmarkt, könnte beim Rennen um die Gunst der Spieler sogar entscheidend werden.

Europa entscheidet

Fällt das Wort "Europa", geht es dabei fast ausschließlich um Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Kampagnen werden einzig nach ihnen ausgerichtet. Klei- ne lokale Nischen wie Österreich werden kaum erwähnt. Doch zumindest ein Verband französischer "Webproduzenten" organisierte einen heftigen Protest und forderte einschlägige Abgaben zur Förderung der "französischen Kultur" auch am Spielemarkt.

Microsoft startet mit der Xbox in Europa jedenfalls am 13. März und will bis zum Sommer eine Million Plattformen verkauft haben. Nintendo will allein in Europa in den kommenden Monaten 100 Millionen Euro in Werbung investieren und an den Vorjahreserfolg mit dem neuen "Game Boy Advance" (mit zurzeit rund fünf Millionen Geräten) anknüpfen. Vorzug von Nintendo ist, dass viele Spiele auf den großen Konsolen zu Hause wie auch auf dem mobilen Gameboy laufen.

Allerdings, die Hardware ist für die Hersteller gerade kos- tendeckend, wenn auch entscheidend für den Zugang zum Kunden. Die Profite werden mit der Software erzielt. Was die 128-Bit-Maschinen der neuen Generation unterscheidet, ist jedoch weniger die rasende Rechnerleistung, die noch mehr Dynamik, glatte Bewegungen und Rundumsound erlauben. Es sind vielmehr strategische Konzepte, in denen mit hohem Risiko Weichenstellungen für die Zukunft vorweggenommen werden - wie etwa die Expansion der Spielewelten ins Internet. (Rüdiger Wischenbart, DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2002)

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