Adieu mit Knalleffekt im Forstinger-Ministerium

18. Februar 2002, 19:49
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Technologie-Sektionschef kündigt Abgang an

Wien - Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) treibt in immer schwerere Turbulenzen. Vergangene Woche kündigte Norbert Rozsenich, mächtiger Chef der Technologiesektion und als solcher seit Jahrzehnten eine der Schlüsselfiguren der heimischen Technologiepolitik, am Rande der Sitzung des Forschungsrats seinen baldigen Abgang in die Frühpension an. Ministerin Monika Forstinger bestätigte dem STANDARD am Montag ein diesbezügliches Schreiben von Rozsenich, in dem dieser ausdrücklich die gute Kooperation mit ihr und ihrem Kabinettsteam betont habe. Ein Zeitpunkt für das Ausscheiden solle gemeinsam bestimmt werden.

Machtkampf

Rozsenich zieht damit offenbar seine Konsequenzen aus dem seit Monaten schwelenden Machtkampf mit dem im Vorjahr neu im Ministerium etablierten Generalsekretär Friedrich Rödler. Der Streit war zuletzt eskaliert, nachdem Rödler seinen Erlass-Entwurf für die künftige Geschäftseinteilung im Ministerium auf den Tisch gelegt hatte. Dieser sah eine weitgehende Entmachtung der Sektionen durch eine massive Kompetenzverlagerung in das Generalsekretariat vor. Dorthin wandern soll etwa das Management für alle Bundesbeteiligungen, die das BMVIT verwaltet - von der ÖBB über die Post bis zur Technologie Impulse Gesellschaft (TIG). Auch die strategische Programmplanung soll künftig im Generalsekretariat passieren, die Fachsektionen würden auf die Abwicklung beschränkt.

Gegenpart fehlt

Rödlers Erlass-Entwurf präzisiert seit längerem bekannte Pläne, das Ministerium künftig auf zwei Sektionen - Infrastruktur und Technologie - zu beschränken. Die bisherigen Sektionen für Bundesstraßen (Sektionschef: Manfred Hessle) sowie Post und Telekom (Hermann Weber) sollen der Infrastruktur zugeschlagen werden. Nach Rozsenichs Abgang fehlt nun der Technologie-Gegenpart zu Christian Weissenburger, der den Infrastrukturbereich leiten soll. (Johannes Steiner, DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2002)

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