Konjunkturerholung ohne Dynamik

18. Februar 2002, 18:46
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Bank Austria: Wirtschaftswachstum schwächer als erhofft

Wien - Eine Trendwende nach oben in allen drei großen Wirtschaftsblöcken - den USA, Europa und Japan - registriert der stellvertretende Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, seit Jahresbeginn. Damit dürfte der Tiefpunkt der Konjunkturabschwächung überschritten sein. Der Ökonom warnte allerdings vor zu großem Optimismus. Die nun beginnende Konjunkturerholung werde ohne Dynamik ablaufen. Vor allem in den USA, deren Konjunkturzyklus dem europäischen etwa ein halbes Jahr voraus sei, werde es Enttäuschungen geben.

Die US-Wirtschaft sei bereits im vierten Quartal des Vorjahres gewachsen, und zwar real um 0,2 Prozent, betonte Bruckbauer. Das Wachstum sei vor allem auf Autokäufe zurückzuführen gewesen, die um 40 Prozent zugenommen hätten. "Die Amerikaner haben in diesem Zeitraum um 80 Mrd. Dollar mehr konsumiert, wovon allein 60 Mrd. Dollar auf Autos entfallen sind." Verantwortlich dafür seien eine offensive Preis- und Kreditpolitik der Autoindustrie sowie ein Abbau der Lagerbestände zu reduzierten Preisen gewesen.

Nicht wiederholbar

Da derartige "Ausreißer" nicht wiederholbar seien, müsse der weitere Konjunkturverlauf in den USA wohl überdacht werden. Bruckbauer rechnet daher heuer mit einem Wirtschaftswachstum von nur zwei bis 2,5 Prozent. Da die Bush-Administration derzeit noch von vier Prozent ausgehe, seien Enttäuschungen unausbleiblich.

Enttäuschte Hoffnungen in den USA hätten auf jeden Fall Rückwirkungen auf die Weltkonjunktur und damit auch auf Europa, stellte Bruckbauer fest. Immerhin seien in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre 40 Prozent des Wachstums der Weltwirtschaft auf die USA entfallen. Es sei daher zu erwarten, dass die Weltwirtschaft heuer und im nächsten Jahr nur schwach wachsen werde. Für 2002 erwartet Bruckbauer ein Plus von 1,4 Prozent und für das kommende Jahr eines von 2,8 Prozent. Im Euroland sieht er heuer ein Plus von 1,1 Prozent und 2003 ein solches von zwei Prozent.

Stärkerer Euro

Vom Euro erwartet er keine Konjunkturunterstützung. Er dürfte gegenüber dem Dollar an Boden gewinnen, was auf die Exporte außerhalb des Euroraums und damit auf die gesamte Wirtschaft dämpfend wirken werde.

In Österreich stellt Bruckberger eine deutliche Verbesserung der Stimmung fest. "Obwohl die wirtschaftliche Leistung im ersten Quartal unter dem Niveau des Vorjahres liegen wird, dürfte sie nach zwei negativen Quartalen gegenüber dem Vorquartal wieder steigen." Damit sei die Rezession beendet, der Aufschwung wieder Tatsache.

Für das gesamte Jahr 2002 erwartet der Bank-Austria-Ökonom in Österreich ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent, das im kommenden Jahr auf 2,1 Prozent ansteigen sollte.

Schwachstelle in der Eurozone werde Deutschland bleiben, dessen Wirtschaft heuer höchstens um 0,75 Prozent wachsen werde. Auch im kommenden Jahr sei bloß mit einem Plus von 1,5 Prozent zu rechnen. Bruckbauer führt dies vor allem auf die Kosten der Wiedervereinigung zurück, die mit 70 Mrd. Euro (963 Mrd. S) pro Jahr nach wie vor eine enorme Belastung darstellen würden. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 19.2.2002)

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