Washington brüskiert Paris

18. Februar 2002, 14:16
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US-Präsident bezeichnet Aussage von Frankreichs Außenminister Vedrine als "heiße Luft" und hält an Begriff "Achse des Bösen" fest

Tokio - US-Präsident George W. Bush hat am Montag in Tokio die internationale Kritik an dem von ihm geprägten Begriff "Achse des Bösen" zurückgewiesen. Angesprochen auf die Aussagen des französischen Außenministers Hubert Vedrine, der die US-Politik als "zu stark vereinfachend" bezeichnet hatte, verwies Bush auf US-Außenminister Colin Powell. Dieser habe Vedrines Kritik treffend als "heiße Luft" bezeichnet, sagte Bush auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem japanischen Regierungschef Junichiro Koizumi.

"Die Geschichte hat uns eine einmalige Möglichkeit gegeben, die Freiheit zu verteidigen. Wir werden sie nutzen", sagte Bush. Er zeigte sich optimistisch, dass die andere Staaten die USA in ihrem Anti-Terror-Kampf unterstützen würden. Der US-Präsident hatte in seiner "Rede zur Lage der Nation" Ende Jänner Nordkorea, den Iran und den Irak als "Achse des Bösen" gebrandmarkt und dafür internationale Kritik geerntet.

Vedrine hatte wörtlich erklärt: "Wir werden heute von einer neuen Simplifizierung bedroht, die sämtliche Weltprobleme allein unter dem Gesichtspunkt des Kampfes gegen den Terrorismus angeht". Diese starke Vereinfachung stelle ein ernstes Problem dar, vor allem hinsichtlich der Nahost-Krise. Die USA hätten die Neigung, sich der internationalen Probleme anzunehmen, ohne die anderen Regierungen zu konsultieren, allein auf der Grundlage ihrer Interpretationen und ihrer Interessen. Dabei "verweigerten sie sich jeder internationalen Abstimmung, jeder multilateralen Verhandlungen, die sich gegen ihre Entscheidungen, ihre Souveränität und ihre Handlungsfreiheit richten könnten".

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hatte Verständnis für die Kritik Frankreichs an der Außenpolitik der USA geäußert.

Nach der Pariser Kritik an der US-Außenpolitik war der französische Botschafter in Washington, Francois Bujon de l'Estang, ins amerikanische Außenministerium zitiert worden.(APA)

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