Peru: Exilierte Ex-Geheimdienstagentin kehrt zurück

18. Februar 2002, 13:23
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Lima zahlt Entschädigung und medizinische Pflege für Folteropfer

Lima - Eine von ihren Vorgesetzten wegen "Verrats" gefolterte Ex-Agentin des peruanischen Heeresgeheimdienstes (SIE) ist am Sonntag (Ortszeit) nach fast fünf Jahren im schwedischen Exil nach Peru zurückgekehrt. Die Regierung von Präsident Alfredo Toledo wollte ihr zu Ehren am Montag eine Veranstaltung in Lima abhalten. Leonor La Rosa, die in Folge der Folter querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt ist, wurde am Flughafen der peruanischen Hauptstadt von den Ministern für Frauenangelegenheiten, Gesundheit und Justiz begrüßt. Die frühere Geheimdienstagentin soll eine finanzielle Entschädigung und ständige medizinische Betreuung auf Staatskosten erhalten.

La Rosas vier Peiniger, unter ihnen der damalige SIE-Chef unter Toledos Vorgänger Alberto Fujimori, Carlos Sanchez Noriega, waren im Mai 1997 zu achtjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten La Rosa gefoltert, weil sie der Presse angeblich Pläne des Geheimdienstes verriet, Journalisten und Oppositionelle einzuschüchtern oder Überfälle auf sie zu verüben, die als Angriffe von Kriminellen getarnt werden sollten. Eine weitere SIE-Agentin, Mariella Barreto, war im April von Kollegen auf grausame Art ermordet worden, weil sie "zuviel wusste". Im Dezember 2001 sprach die peruanische Regierung den Angehörigen von Barreto eine Entschädigung von umgerechnet etwa 180.000 Euro zu.

Die Folterer der beiden Frauen gehörten der Todesschwadron "Colina" an, der vorgeworfen wird, zu Beginn von Fujimoris Amtszeit (1990 bis 2000) mindestens 25 Menschen ermordet zu haben. Das Kommando "Colina" war von Fujimoris Geheimdienstchef und Vertrauten Vladimiro Montesinos geschaffen worden. Einige von seinen Mitgliedern wurden mittlerweile gefasst, andere sind nach wie vor flüchtig. Die peruanische Justiz beschuldigt Fujimori, der seit seinem Sturz in Japan lebt, bis in Einzelheiten über "Colina"-Aktionen unterrichtet gewesen zu sein. (APA)

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