Heurigen-BesucherInnen fühlten sich "vergiftet"

19. Februar 2002, 12:45
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Mäusekot und 20 Grad plus in Vitrine - Marktamt sperrte Betrieb - Wirtin nach dem Lebensmittelgesetz angeklagt

Wien - Es sollte eine lustige Sponsionsfeier werden, doch den meisten Festgästen schlug der Ausflug in ein Heurigenlokal in Stammersdorf auf den Magen. "Mir war am nächsten Morgen furchtbar übel. Ich hab mich vergiftet gefühlt", schilderte eine 40-jährige Diplomkrankenschwester am Montag im Wiener Straflandesgericht. Dort musste sich die 44 Jahre alte Heurigenwirtin nach dem Lebensmittelgesetz verantworten: Das Marktamt hatte bei einem Lokalaugenschein einen hygienisch unzumutbarem Zustand im Buffet- und Küchenbereich vorgefunden und den Betrieb vorübergehend sperren lassen.

Kühlvitrine mit 20 Grad plus

Dem Marktamt-Bericht zufolge waren manche Lebensmittel stark verunreinigt, in der Kühlvitrine hatte es 20 Grad. Im Emailgeschirr fand sich haufenweise Mäusekot und -urin. "Das Geschirr habe ich aber nicht gebraucht. Das ist zehn Jahre im Regal gestanden", betonte die Wirtin.

Nachdem sich die AkademikerInnen und ihre FreundInnen und Verwandten an jenem 6. Oktober 2000 am Buffet stärkten, hatten zumindest 15 von ihnen am folgenden Tag keinen Appetit mehr. "Schon in der Nacht hat es angefangen mit Erbrechen und Durchfall", erinnerte sich eine von ihnen, "ich hab eine Kamillentee-Kur gebraucht." Ein Lehrer riskierte es, trotzdem Unterricht zu halten: "Ich hab halt pro Stunde zwei Mal aus der Klasse gehen müssen. Das war schon unangenehm."

Schwarzwurzel-Salat oder Marzipantorte

Vor allem der Schwarzwurzel-Salat und ein Spargelaufstrich dürften es in sich gehabt haben. Ein Lebensmittel-Chemiker soll jetzt ein Gutachten abgeben, da die Wirtin einen Zusammenhang zwischen dem offerierten Essen und den Erkrankungen bestreitet. Sie vermeinte, in einer von einem Gast mitgebrachten Marzipantorte den "Sündenbock" zu erkennen. Zudem bemerkte sie, das Markamt habe ihr mittlerweile bescheinigt, nach einer umfassenden Renovierung einen "Vorzeigebetrieb" zu führen. Die Verhandlung (Einzelrichter Peter Loibl, Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel) wurde vertagt. (APA)

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