Es marthalert beim Theatertreffen

19. Februar 2002, 10:24
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Zürcher Schauspielhaus ist trotz oder wegen ihres umstrittenen Intendanten dreifach in Berlin vertreten - Österreich fehlt

Berlin - Mit gleich drei ausgewählten Inszenierungen zum diesjährigen Berliner Theatertreffen vom 3. bis zum 20. Mai hat das Zürcher Schauspielhaus mit seinem umstrittenen Intendanten Christoph Marthaler demonstrative Schützenhilfe der deutschsprachigen Kritiker erhalten.

Burgtheater: Vier Einladungen im letzten Jahr, heuer keine

Insgesamt wurden zehn Inszenierungen, davon jeweils zwei aus Berlin (Volksbühne) und München (Kammerspiele), zum 39. Theatertreffen eingeladen. Das im Vorjahr noch mit vier Einladungen bedachte Wiener Burgtheater fehlt diesmal in der Auswahl ebenso wie das Hamburger Deutsche Schauspielhaus oder Claus Peymanns Berliner Ensemble.

Beschossener Marthaler

Der seit 2000 in Zürich amtierende Intendant Marthaler ist in letzter Zeit schwer unter Beschuss geraten. Ein Teil des Publikums hat ihm den Rücken gekehrt. In den Schweizer Medien wird ihm zum Teil vorgeworfen, er mache das Theater kaputt. Der Bund der Steuerzahler meinte, man sollte das Zürcher Schauspielhaus notfalls schließen. Hauptspielort des Berliner Theatertreffens ist wieder das Haus der Berliner Festspiele, die frühere Freie Volksbühne.

Castorfs Inszenierung von Dostojewskis "Erniedrigte und Beleidigte"

Aus Zürich kommen "Alibi" von der auch regieführenden Autorin Meg Stuart als Koproduktion mit Brüssel, Paris und Toulouse, der von Marthaler in Szene gesetzte Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert und Anton Tschechows "Drei Schwestern" in der Regie von Stefan Pucher. Das Theater Basel ist mit Henrik Ibsens "John Gabriel Borkman" in der Inszenierung von Sebastian Nübling dabei. Die von Frank Castorf geleitete Berliner Volksbühne wurde mit Castorfs Inszenierung von Dostojewskis "Erniedrigte und Beleidigte" als Koproduktion mit den Wiener Festwochen 2001 und mit der "Prater Trilogie" (Regie Rene Pollesch) eingeladen.

Münchner Kammerspiele sind mit "Alkestis" von Euripides dabei

Die Münchner Kammerspiele sind mit "Alkestis" von Euripides in der Regie von Jossi Wieler und "Traum im Herbst" von Jon Fosse (Regie Luk Perceval) dabei. Außerdem wurden das Staatstheater Stuttgart mit "Thyestes - Der Fluch der Atriden" von Hugo Claus nach Seneca (Regie Stephan Kimmig) und das Schauspiel Hannover mit Shakespeares "Hamlet" in der Inszenierung von Nicolas Stemann nach Berlin eingeladen.(APA/dpa)

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