Das Olympia der Sponsoren

18. Februar 2002, 13:11
posten

Werbe-Beschränkungen des IOC werden umgangen oder einfach ignoriert - Täglich Serien an Übertretungen

Eisprinzessin Michelle Kwan wirbt ganzseitig in US-Zeitungen und im Fernsehen für den Automobil-Giganten General Motors. An der Eisarena in Salt Lake City prangt der Name "Delta Center". Im deutschen Fernsehen wurden Spots mit Sven Hannawald gezeigt (siehe dazu: Keine Konsequenzen für Hannawald wegen TV-Spots). Drei Beispiele von vielen dafür, dass die olympische Werbeflut weiter steigt und den vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) errichteten Damm bereits durchbrochen hat.

Regeln müssen überprüft werden

"Wir müssen nach den Winterspielen unsere Regeln überprüfen, ob sie strikt genug sind. Oder ob wir genug getan haben, die Regeln durchzusetzen. Oder ob sie überhaupt noch durchsetzbar sind", sagte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

Das Problem dabei ist: Die Sponsoren Olympischer Spiele fordern immer mehr Gegenleistungen für ihren zum Teil enormen Einsatz. Den Meisten reicht die Nutzung der Olympischen Ringe und Logos oder die Möglichkeit, im Austragungsort der Spiele werbend in Erscheinung zu treten, längst nicht mehr aus. Zugleich gilt es für das IOC, seine Partner vor Werbung von Nicht-Rechteinhabern zu schützen. So überprüft ein 25-köpfiger Stab in diesen Tagen alle olympischen TV-Übertragungen dieser Welt, ob sich ein Unternehmen irgendeines olympischen Symbols unberechtigt bedient.

Den Sponsoren Eintrittskarten zur Verfügung stellen

Zehn Top-Sponsoren des IOC, die für die gegenwärtige Vier-Jahres-Periode 600 Millionen Dollar (690 Mio. Euro/9,50 Mrd. S) bezahlt haben, und 64 Sponsoren des Organisationskomitees von Salt Lake City mit Zahlungen von 840 Millionen Dollar (966 Mio. Euro/13,30 Mrd. S) fordern Gegenleistungen. Eine davon ist, für den Tross der Sponsoren genug Eintrittskarten bereitzustellen. Nach Salt Lake City werden von den Unternehmen am Ende der 17 olympischen Tage fast 30.000 Gäste eingeflogen worden sein. Sie haben 14 Prozent der 1,6 Millionen Eintrittskarten garantiert bekommen, natürlich sind es vor allem Tickets für die attraktivsten Veranstaltungen.

Suiten für "Sponsoren-Familien"

Neuerdings werden den Sponsoren auch Suiten angeboten. Im "Delta Center" sind das 56. Der Mietpreis für die Zeit der Spiele liegt zwischen 150.000 (172.553 Euro/2,37 Mio. S) und 230.000 Dollar (264.581 Euro/3,64 Mio. S) . Das IOC des Ex-Präsidenten Juan Antonio Samaranch hat sich mit der immer mehr angewachsenen "Sponsoren-Familie" ein Zwei-Klassen-Problem geschaffen, und sie ist Teil des olympischen Gigantismus geworden. Nachfolger Jacques Rogge wird diese Entwicklung kaum zurück drehen können.

Noch vor einigen Jahren ein "Skandal" ...

Noch vor vier Jahren hätten die Werbeauftritte von Michelle Kwan, die für die USA am Donnerstag die Goldmedaille holen soll, zu einem Skandal geführt. Mittlerweile übt das IOC Nachsicht. Alle Sponsoren des IOC, der olympischen Organisationskomitees und der Nationalen Olympischen Komitees (NOK) dürfen mit Sportlern werben - wenn das IOC-Exekutivkomitee eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Vizepräsident Bach weiß von so einer Genehmigung nicht, auch nicht Marketing-Direktor Michael Payne. Man werde das überprüfen. Doch das IOC wird sich wohl hüten, das Eis-Idol der USA aus dem Verkehr zu ziehen.

"Ice Center" - "Delta Center"

Anders liegt der Fall "Delta Center". Bisher gehörte es zum ehernen Grundsatz, dass olympische Sportarenen innen und außen völlig werbefrei sein müssen. Darauf hatte Bach bestanden, als er in Salt Lake City vor acht Jahren als Vorsitzender der IOC-Prüfungskommission auch die Halle inspiziert hatte. Nun heißt die 16.000 Zuschauer fassende Arena während der Winterspiele zwar offiziell "Ice Center". Doch der Name der "offiziellen Fluglinie" für die Spiele prangt weiter in großen Buchstaben an der Arena. Bach findet das "mehr als unglücklich. Wir müssen auf Kernbereiche mehr Einfluss nehmen".

Täglich Serien an Übertretungen

Täglich werden der Marketing-Kommission Serien von Übertretungen zugetragen: Eishockey-Spieler, die beim offiziellen Training große Firmennamen von Ausrüstern tragen. Ein US-amerikanischer Skeleton-Fahrer, der bei einem Interview eine Kappe mit der Aufschrift eines Privatsponsors auf hat. Kopfbedeckungen, bei denen der Herstellername die von der IOC-Regel vorgeschriebenen sechs Quadratzentimeter überschreitet. Hosen, auf denen die entsprechende Größe von zwölf Quadratzentimetern nicht eingehalten wird. (APA/dpa)

Share if you care.