Bushs peinlicher Versprecher drückt Yen

18. Februar 2002, 17:34
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"Devaluation" oder doch "Deflation"? - Japanische Währung verlor daraufhin dramatisch

Tokio - US-Präsident George W. Bush hat am Montag mit einem Versprecher für Verwirrung an den Devisenmärkten gesorgt und ein kurzes Abrutschen des Yen-Kurses ausgelöst. Nach seinem Gipfeltreffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi nannte Bush als eines der Gesprächsthemen auch "devaluation", also die Abwertung des Yen. Der Kurs der japanischen Währung verlor daraufhin rund einen Viertel Yen zum Dollar.

Das US-Präsidialamt stellte umgehend klar, der Wechselkurs des Yen zur US-Währung sei kein Thema gewesen, sondern Bush und Koizumi hätten vielmehr über "deflation", also den Preisverfall in Japan, gesprochen.

"Ein bisschen unüberlegt mit Fachausdrücken"

Händler hatten bereits zuvor die Vermutung geäußert, Bush müsse ein Versprecher unterlaufen sein. "Er (Bush) geht wie sein Vater manchmal ein bisschen unüberlegt mit Fachausdrücken um", sagte ein Händler einer US-Bank. Trotzdem hatten einige Marktteilnehmer Yen gegen Dollar verkauft, da sie es nach der Äußerung für möglich hielten, dass die USA einen noch schwächeren Yen-Kurs tolerieren könnten.

Die mit dem Stichwort "devaluation" angesprochene Schwäche des Yen ist vor allem bei Japans asiatischen Nachbarn und US-Produzenten ein heikles Thema. Sie werfen Japan vor, mit dem schwächeren Yen ihre Exporte hochtreiben zu wollen. Die Bekämpfung der Deflation gehört demgegenüber zu den vorrangigen Reformzielen von Ministerpräsident Koizumi. Der rapide Preisverfall in Japan belastet seit Monaten die Unternehmensgewinne, schränkt den Konsum ein und verteuert die Tilgung von Krediten.

"Immer mehr unserer Einfuhren kommen aus dem Ausland"

Wie sein Vater, Ex-Präsident George Bush, ist auch George W. Bush bekannt für Versprecher und eigenwillige Formulierungen. Erst kürzlich hatte Bush den Wählern versichert: "Nicht über meine Leiche werden sie Eure Steuern erhöhen." Aufsehen erregte auch Bushs Bemerkung zur Bedeutung der Importe für die USA: "Immer mehr unserer Einfuhren kommen aus dem Ausland."

Vor knapp 15 Jahren hatte bereits der damalige US-Präsident Ronald Reagan einmal die Devisenmärkte irritiert. Beim G-7-Gipfel in Venedig 1987 hatte Reagan gesagt, der Dollar sollte stabil bleiben, aber "es ist im Bereich des Möglichen, dass der Wert im Verhältnis zu anderen Währungen noch etwas nachgibt". Dies hatte seinerzeit das US-Präsidialamt umgehend zu der Klarstellung veranlasst, Reagan habe sich versprochen und wolle tatsächlich einen stabilen Dollar.(APA/Reuters)

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