Zeman: Kein Arafat-Hitler-Vergleich

20. Februar 2002, 20:43
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Statements laut tschechischem Regierungschef "verzerrt" - Vizepremier verweist auf schlechtes Englisch

Prag/Kairo - Der tschechische Regierungschef Milos Zeman hat einen ihm zugeschriebenen Vergleich zwischen Palästinenserpräsident Yasser Arafat und dem Führer Nazi-Deutschlands, Adolf Hitler, dementiert. Er habe Arafat nie mit Hitler verglichen, erklärte Zeman am Dienstag in Prag. Er sei "erstaunt" über "die Deutung seiner Äußerungen" durch israelische Medien.

Vor Zemans Dementi hatte die EU den Vergleich scharf kritisiert. Derartige Töne seien "nicht das, was wir von einem künftigen Mitgliedstaat erwarten", sagte Kommissionssprecher Jean-Christophe Filori. Zemans Äußerungen seien angesichts der Bemühungen der EU um Frieden im Nahen Osten "nicht besonders hilfreich".

Der tschechische Präsident Vaclav Havel zeigte sich "zutiefst beunruhigt" über Zemans Wortwahl. Derartig vereinfachte Äußerungen könnten zu einer neuen Eskalation im Nahen Osten beitragen. Es sei unzulässig, unterschiedliche historische Erfahrungen aus dem Zusammenhang zu reißen, kritisierte Havel.

Die israelische Zeitung "Haaretz" (Montagausgabe) hatte auf die Frage nach der Möglichkeit eines Vergleichs zwischen Hitler und Arafat mit den Worten zitiert: "Gewiss. Es obliegt mir zwar nicht, über Arafat zu urteilen; aber jeder, der den Terrorismus unterstützt, ihn als legitimes Mittel betrachtet oder den Terrorismus nutzt und unschuldige Menschen tötet, ist in meinen Augen ein Terrorist."

Dazu sagte Zeman am Dienstag, tatsächlich habe er lediglich folgende Antwort gegeben: "Gewiss obliegt es mir nicht, über Arafat zu urteilen."

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hatte sich am Montag für eine klare Reaktion der EU zu den Zeman zugeschriebenen Äußerungen ausgesprochen. Auch Äußerungen in dem Interview, wonach sich Zeman für eine Vertreibung der Palästinenser ausgesprochen habe, seien völlig inakzeptabel.

EU-Ratspräsident: "Inakzeptabel"

Als "inakzeptabel" hatte auch der spanische Außenminister und derzeitige EU-Ratspräsident Josep Pique im Namen der EU die Äußerungen Zemans zurückgewiesen. Außenministerin Benita Ferrero-Waldner sprach von "sehr absurden" Aussagen.

Bereits vor einigen Wochen hatte Zeman in einem Interview Teile der Sudetendeutsche pauschal als "Verräter" bezeichnet. Nach scharfer Kritik aus Deutschland und Österreich relativierte er dies wieder. Mit dem Besuch Fischers sollen auch die damaligen Spannungen ausgeräumt werden.

Zugleich soll ein Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum fünften Jahrestag der gemeinsamen Aussöhnungs-Erklärung im März in Prag vorbereitet werden. Ob Schröder angesichts der jüngsten Verstimmungen nach Tschechien reise, sei offen, hieß es am Dienstag in Berlin.

"Missverständnis auf Grund fehlender Sprachpraxis"

Der tschechische Vizepremier Vladimir Spidla hat umstrittene Äußerungen von Regierungschef Milos Zeman mit dessen mangelnden Englischkenntnissen entschuldigt. Es handle sich um ein "Missverständnis", verursacht durch fehlende Sprachpraxis, sagte Spidla am Dienstag der tschechischen Presse. Das Außenministerium versicherte in einer am selben Tag veröffentlichen Erklärung, Tschechien erkenne die gewählten Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde an. Diese seien bei der Lösung des Nahost-Konflikts unersetzlich. (APA/dpa)

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