Grünewald ortet Einzelinteressen bei Medizin- Unis

18. Februar 2002, 13:05
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Wissenschaftssprecher der Grünen über die Uni-Reform

Wien - Als "Notwehr- und Fluchtreaktion" wertet der Grüne Wissenschafts- und Gesundheitssprecher Kurt Grünewald das Eintreten der Dekane der drei medizinischen Fakultäten in Wien, Graz und Innsbruck für eigenständige Medizinische Universitäten. Der Gestaltungsvorschlag des Ministeriums zur Uni-Reform werde offenbar als so "infernal" empfunden, dass es die Mediziner lieber im Alleingang versuchen würden, vermutete Grünewald bei einer Pressekonferenz. Außerdem seien "Einzelinteressen" einzelner Befürworter von Medizin-Unis nicht auszuschließen.

Die Grünen ziehen eine Fakultätslösung eigenständigen Medizinischen Unis vor. Neben der Verdoppelung der Hierarchien und damit verbundenen höheren Kosten befürchtet Grünewald auch den Entfall von Synergieeffekten vor allem mit naturwissenschaftlichen Fächern. Betroffen wären aber auch Disziplinen wie Psychologie, Philosophie und Theologie. Darüber hinaus spreche auch der internationale Trend gegen eine Ausgliederung der medizinischen Fakultäten: So wären in Großbritannien von 33 Standorten nur zwei eigenständig und zwei als "Uni in der Uni" in enger Kooperation mit der Mutter-Universität. Auch in Deutschland gebe es nur zwei medizinische Hochschulen.

Problem Finanzierung

Der Grün-Politiker hält es außerdem für falsch, die Medizin sich selbst zu überlassen und von Drittmitteln abhängig zu machen. Dies bedeute auch, dass die Mediziner sich selbst kontrollieren müssten, was etwa im Hinblick auf ärztliche Privathonorare problematisch sei. Es sei nicht auszuschließen, dass einzelne Befürworter von eigenständigen Medizin-Unis im Eigeninteresse handeln würden. Die eigentlichen Probleme der Medizin liegen laut Grünewald hingegen in der Finanzierung. So wäre etwa die Berechnung des klinischen Mehraufwands (Refundierung des Mehraufwands für Lehre und Forschung an die Krankenanstaltenträger, Anm.) auf Grund einer fehlenden Verordnung seit 1956 ungeregelt.

Skepsis sei auch gegenüber der Uni-Reform als Gesamtes angebracht, betonte Grünwald. So habe etwa der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts die Frage gestellt, ob eine neuerliche Umstrukturierung des Uni-Wesens innerhalb einer so kurzen Zeitspanne tatsächlich zweckmäßig wäre. Die am Donnerstag stattfindende Enquete zur Uni-Reform empfindet Grünewald als "PR-Instrument der Regierung". Auch die so genannten Plattformen mit Beteiligten hätten eher einer Belehrung der Skeptiker als einem Dialog geähnelt. (APA)

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