Mehr Vertrauen in die EU

17. Februar 2002, 19:02
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Syriens Präsident: Europa gegen US-Schlag gegen Irak

Rom - Syriens Präsident Bashar el Assad geht davon aus, dass die USA in Falle eines Militärschlages gegen den Irak nicht mit der Unterstützung der Europäer rechnen können. Alle europäischen Vertreter, mit denen er gesprochen habe, hätten diese Auffassung vertreten, sagte Assad in einem Interview der Zeitung "Corriere della Sera", das am Sonntag veröffentlicht wurde. "Ein Angriff (auf den Irak) wäre ein Angriff auf Recht und Menschenrechte", sagte Assad, der ab Dienstag Italien besucht.

Die USA sollten vorsichtig agieren

Der durch einen solchen Schlag ausgelöste öffentliche Zorn wäre viel gefährlicher als die politischen Reaktionen. "Ich glaube nicht, dass die USA noch mehr Hass auf sich ziehen sollten", sagte Assad. US-Präsident George W. Bush hatte den Irak, den Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen" bezeichnet und angedeutet, der Irak könne ein Ziel des von ihm ausgerufenen Kampfes gegen den internationalen Terrorismus werden.

Kritisch gegenüber US-Rolle

Der syrische Präsident äußerte sich in dem Zeitungsinterview auch kritisch über die Vermittler-Rolle der USA im Nahost-Konflikt. Die Regierung in Washington wisse nicht mehr, was sie in einzelnen Fragen für eine Position vertrete. Die arabischen Länder hätten mehr Vertrauen in die EU (Europäische Union). Dagegen würdige Israel die objektive Haltung der Europäer nicht.

Assad wies zugleich britische Vorwürfe zurück, sein Land verletze UNO-Sanktionen und importiere täglich mehr als 100.000 Barrel (15.900.000 Liter) irakischen Erdöls durch eine eigentlich stillgelegte Pipeline. Der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur zufolge sagte Assad, es gebe nur eine alte Pipeline, die im vergangenen Jahr getestet worden sei. Assad sicherte zu, sein Land werde sich an Sanktionen der Vereinten Nationen (UNO) halten. (APA)

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