Die "Bullen" haben richtig bärig verdient

18. Februar 2002, 00:34
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Der Polizist als Millionär: Ehemalige Exekutivbeamte, unter ihnen Josef Kleindienst, sind an der Börse erfolgreich

Verschiedener könnten die beiden nicht sein: Der eine Chef einer der führenden Investmentgesellschaften des Landes (Quadriga) ein so genannter Teamspieler, der andere auf dem Weg zum individuellen Glück. Christian Baha und Josef Kleindienst haben aber dieselbe Ausgangsposition für ihr gutes Anlagegespür: Beide sind ausgebildete Polizisten und sehen einen Pluspunkt darin.

"Wir kochen auch nur mit Wasser", umschreibt Christian Baha den Erfolg seiner Firma. Seit 1997 setzt er voll auf die Künste des Computers, wenn es ums Geldverdienen mit Aktien geht. "Das schließt Emotionen aus." Und bringt den Anlegern stolze Zugewinne. So rechnet Baha vor: In den letzten fünf Jahren haben die Anleger jährliche Zuwachsraten von 30 Prozent erlebt. Das will er ihnen auch für die nächsten zwei Jahrzehnte bieten.

Mitarbeiter-Basis

Derzeit verwaltet seine Gesellschaft ein Vermögen von 175 Mio. Euro (über 2,4 Mrd. S). Zudem gründete Baha die auf Software spezialisierte Firma Teletrader und wagte damit vor knapp einem Jahr den Gang an die Wiener Börse. So hochgestochen seine Performancepläne scheinen, so sehr kann er auf eine Basis von guten Mitarbeitern zählen. Und hier spiele seine Ausbildung als Polizist herein: "Als CEO muss man eine Firma genauso militärisch führen wie bei der Polizei. Nur durch klare Vorgaben erreicht man seine Ziele." Damit auch andere Anleger von diesem Credo profitieren können, rät Baha vor allem eines: nur das anlegen, was man auch besitzt.

Der Polizist als Millionär

Das sieht Josef Kleindienst anders: "Kredite gibt es nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Private." So beschreibt er auch in seinem Buch "Der Polizist als Millionär" seine durchaus gewagte Anlagestrategie. Er ist bislang gut damit gefahren und konnte sich schon nach wenigen Jahren als Schillingmillionär feiern lassen. Zu Beginn investierte er noch an der Wiener Börse und konnte auf ein "unglaubliches Anfängerglück" zählen. Durch schnelle Umschichtungen holte er seine Schäfchen immer wieder ins Trockene. Aber bald schon roch der Mann, der einer breiten Öffentlichkeit vor allem wegen der Spitzelaffäre (Zahlungen von FPÖ-Mitgliedern an Polizisten für Spitzeldienst in der Polizei) bekannt wurde und dann ins Gerede kam wegen seiner gekonnten Anlagekünste, den Duft der weiten Welt.

"Topvoraussetzung"

So investiert er heute nur mehr in große Unternehmen, die vor allem jenseits des Atlantik angesiedelt sind, darunter Intel oder Microsoft. "Es gibt kein Jahr, in dem ich Geld verloren hätte", zieht er seine Schlüsse. Also schlafe er auch ruhig. Hauptsache, man sei diszipliniert. So weit geht Kleindienst, dass er behauptet: "Eine gute Polizeiausbildung ist eine Topvoraussetzung für eine gute Anlage." Denn die Polizisten seien gewohnt, alles zu hinterfragen. Daher habe auch der 11. September gezeigt: Ein Polizist ist gewohnt, hinzugehen, wenn alle anderen weglaufen. Auch an der Börse. (Esther Mitterstieler, Der Standard, Printausgabe, 18.02.02)

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