Neue Geldquellen für Wohnbau

17. Februar 2002, 19:51
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Herkömmliche Förderung nach Gießkannenprinzip neigt sich dem Ende zu

Wien - Geht die für den Neubau zur Verfügung stehende Wohnbauförderung weiter kontinuierlich zurück, so müssen alternative Finanzierungsmodelle den Ausfall kompensieren. Außerdem verlangen die strengen Eigenkapitalrichtlinien, wie sie Basel II vorsehen, ein Umdenken, sagte der Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen, Karl Wurm im STANDARD-Gespräch.

Die herkömmliche Wohnbauförderung nach dem Gießkannenprinzip werde aus Kostengründen wohl auslaufen, glaubt Wurm. Künftig werden mit der Förderung nur mehr spezielle Sozialprojekte oder solche mit hohen ökologischen Auflagen finanziert werden.

Was die Wohnbaubanken bisher im Kleinen recht erfolgreich gemacht haben, nämlich über die Platzierung von Anleihen bei Privaten langfristig günstiges Kapital für den geförderten Wohnbau zur Verfügung stellen, könnten künftig verstärkt Emissions- oder Kapitalanlagegesellschaften machen. Sie könnten an den internationalen Kapitalmärkten bei institutionellen Investoren jenes Geld beschaffen, das für die Errichtung von neuen Wohnungen dringend gebraucht wird.

Emission von Anleihen

In der Praxis sollte die Emissionsgesellschaft die Wohnungen kaufen. Das Geld dafür könnte über die Begebung von Anleihen bei internationalen Investoren hereinfließen.

Das Problem dabei sind aber die Volumina, meint Wurm. Denn um international wahrgenommen zu werden, braucht man ein Volumen von 350 bis 500 Mio. EURO. Das würde bedeuten, dass eine Emissionsgesellschaft für ganz Österreich reicht; zumal damit gleich an die 1000 Wohnungen finanziert werden könnten. Der Vorteil wäre, dass die Bank, die der Emissionsgesellschaft vorweg das Geld zur Errichtung der Wohnungen gibt, kein Rating von der Gesellschaft braucht, weil es sich lediglich um einen Finanzierungsvermittler handelt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass eine Grundstücksgesellschaft die Grundstücke kauft und darauf Wohnungen errichtet. Diese Grundstücksgesellschaft könnte sich ebenfalls am Kapitalmarkt durch die Begebung von Anleihen refinanzieren.

Trendwende

Wurm ortet jedenfalls eine Trendwende bei der Wohnbaufinanzierung, weil künftig die Finanzierung im Paket erfolgen wird müssen. Faktum sei aber auch, dass Wohnen teurer wird, weil der Umstieg auf den Kapitalmarkt und damit zu renditebewussten Anlegern mit höheren Kosten verbunden sei als bei der klassischen Wohnbauförderung, sagte Wurm. Mit ein Grund seien aber auch die steigenden Grundstückspreise in den Ballungsräumen. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 18.02.02)

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