Forschungsrat knausert mit Freigabe der Mittel aus Technologietopf

17. Februar 2002, 19:39
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Zahlreiche Projekte auf später vertröstet

Wien - Förderempfehlungen im Umfang von 11,35 Mio. Euro (156 Mio. S) für ein Paket von Biotechnologie-Programmen, 9,44 Mio. Euro (130 Mio. S) für Maßnahmen unter dem Titel "technologieorientierte Unternehmensgründungen" und 4,63 Mio. Euro (60 Mio. S) für ein E-Business-Programm: Das war alles an Vergabeempfehlungen aus dem zur Neige gehenden Technologie-Sondertopf, wozu sich der Rat für Forschung und Technologieentwicklung in seiner zweitägigen Klausur vor dem vergangenen Wochenende aufraffen mochte.

Wieder einmal wurden hoch eingeschätzte Projekte auf eine spätere Vergabesitzung vertröstet, diese soll nach Angaben aus dem Rat auch bald - möglichst noch im März - erfolgen. Dann sind freilich nur noch rund 56 Mio. Euro (770 Mio. S) im ursprünglich mit sieben Mrd. S gefüllten Topf drin - und die Nervosität in den beantragenden Ministerien steigt.

Wachsende Besorgnis

Mit Besorgnis registriert man aber auch im Forschungsförderungsfonds für die wissenschaftliche Forschung (FWF) die jüngste Entscheidung des Rats. Wie schon im vergangenen Dezember wurde dessen 25,4-Mio.-Euro-Förderantrag erneut vertagt, weil man angesichts der opulenten Tagesordnung nicht mehr dazu kam, wie es nach der Sitzung aus dem Rat hieß.

Im FWF befürchtet man aber bei dem nun immer kleiner werdenden Kuchen eine zunehmend härtere Konkurrenz um die Reststücke. Immerhin macht die ausstehende Dotation vom Rat - mangels ausreichender ordentlicher Budgetierung - für den FWF ein rundes Viertel des Jahresbudgets aus.

Frauenpaket

Auf später vertröstet wurden auch alle Programmanträge, die gerade jenen Sektor betreffen, auf den der Rat in seinem Strukturkonzept für die außeruniversitäre Forschung besonderes Gewicht legen will: die fachhochschulorientierte Forschung und Entwicklung und die Transferzentren. Dazu gehört das Programm zur Aufrüstung der Innovationskapazitäten der Fachhochschulen (FH plus) ebenso wie jenes zur Stärkung der regionalen Impulszentren (REG plus), beides Anträge des Verkehrs-, Innovations- und Technologieministeriums, oder das Technologietransfer-Programm des Wirtschaftsministeriums. Immerhin sollen diese Programme bei der nächsten Ratssitzung Priorität auf der Tagesordnung haben.

Das Programmpaket zur Stärkung der Beteiligung von Frauen in der Forschung sei sehr gut angekommen. Man habe dafür "gedanklich eine Förderung reserviert", wolle es aber noch im Detail aufschlüsseln, hieß es dazu vom Rat.

Über die Freigabe der bereits in einer früheren Vergabesitzung reservierten Mittel von 56,6 Mio. Euro (777 Mio. S) für Infrastrukturmaßnahmen an den Universitäten soll unmittelbar nach dem für 8. März angekündigten Gesetzesentwurf zur Universitätsrefom entschieden werden. (Johannes Steiner, Der Standard, Printausgabe, 18.02.02)

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