"Den Bio-Schmäh stoppen"

18. Februar 2002, 11:04
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WWF setzt Agrarmarkt Austria Ultimatum wegen "verfälschender" Werbung

Wien - Simone Lughofer vom World Wide Fund for Nature (WWF) hat den Fleischvermarktern der Agrarmarkt Austria (Ama) ein Ultimatum gestellt. Binnen vier Wochen müsse der Aufsichtsrat von Österreichs großer landwirtschaftlicher Marktordungsstelle "schriftlich zusichern, den Bio-Schmäh rund ums Ama-Gütesiegel zu stoppen", fordert sie. Wenn nicht, werde der WWF gegen die Ama Anzeige wegen "Irreführung der Konsumenten" erstatten.

Den Verbrauchern nämlich, so Lughofer, werde in Ama-Slogans wie "Rindfleisch von der Alm" und "Österreichisches Schweinefleisch von bäuerlichen Familienbetrieben" eine "heile, bäuerliche Welt vorgegaukelt": eine Behauptung, wie sie dem "Verein gegen Tierfabriken" vor einem Jahr gerichtlich untersagt worden war.

Umfrage: Siegel wirkt

Am 31. 1. 2002 machte der Oberste Gerichtshof diese Entscheidung bis zu einem Hauptverfahren in der Causa rückgängig. Nun erneuert Lughofer die Kritik: Laut Meinungsforschungsinsitut Fessel/GFK hätten zwei Drittel der Befragten angegeben, das Ama-Siegel zeichne Bioprodukte aus. Was jedoch nicht der Fall sei.

Das meint auch Grünen-Agrarsprecher Wolfgang Pirklhuber. Er führt als Beleg eine Anfragebeantwortung von Konsumentenschutzminister Herbert Haupt (FPÖ) an. Gefragt worden war nach der Zahl von Ama-Gütesiegelbetrieben mit Vollspaltenböden für Schweine. Böden, die Exkremente direkt abfließen lassen, den Tieren aber das Stehen und Gehen erschweren - eine keineswegs artgerechte Haltungsmethode. Haupts Antwort: "Die Ama-Gütesiegelrichtlinien für Frischfleisch schreiben derzeit keine über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehenden Tierhaltungsvorschriften vor."

"Wir sind mit den Mitgliedern der Arge Biobauern und anderen Biobauerngruppen im Gespräch. Als Landwirte sind sie, nicht der WWF unsere ersten Ansprechpersonen", reagiert Ama-Vorstandsvorsitzender Georg Schöppl im STANDARD-Gespräch auf diese Einwände. Doch auch mit den Tierschützern werde man reden. Indes könne er nicht verstehen, was an der Ama-Werbung verfälschend sein solle: "Die Spots mit Landschaftsbildern haben wir aus dem Verkehr gezogen."
(bri - DER STANDARD, Print, 18.02.2002)

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