Dichte Serie der Gewalt am Wochenende

18. Februar 2002, 08:38
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Mahnende Aufrufe von Joschka Fischer

Die dichte Serie erweckte zwar den Eindruck, dass der israelisch-palästinensische Konflikt sich weiter zuspitzt, doch die Gewaltakte an diesem Wochenende waren ungefähr von der Art, wie man sie bisher kannte.

Eine wesentliche Verschärfung der israelischen Gangart gilt als unwahrscheinlich, weil die USA die gelegentlichen Luftangriffe und Vorstöße in die Autonomiezone stillschweigend hinnehmen, eine regionale Destabilisierung kurz vor einem möglichen Angriff auf den Irak aber nicht gebrauchen können. Ein aktives Vermittlungsengagement scheint momentan niemand für sinnvoll zu halten, auch der deutsche Außenminister Joschka Fischer, der am Samstag bei Palästinenserchef Yassir Arafat in Ramallah war, musste sich mit mahnenden Aufrufen begnügen.

Samstagabend hatten sich in Tel Aviv einige Tausend Sympathisanten der israelischen "Frieden jetzt"-Bewegung zu einer Demonstration eingefunden, die eine Kampagne für den einseitigen Rückzug aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen lostreten sollte. Beinahe symbolisch war aber, dass die Meldung vom nächsten Selbstmordanschlag in die Veranstaltung hineinplatzte.

In einem Einkaufszentrum in der jüdischen Siedlung Karne Schomron waren ein Mädchen und ein Bursch, beide 15 Jahre alt, getötet und rund 30 Menschen verletzt worden, als sich ein Palästinenser in die Luft sprengte. Stunden danach bombardierte die Luftwaffe Büros der Palästinensischen Behörde in Nablus, Menschen wurden dabei offenbar nicht verletzt, weil die Gebäude geräumt worden waren. Am Samstag wurde Nasih Abu Sabaa, ein Hamas-Kommandant getötet, als neben ihm ein Auto in die Luft flog - es handelte sich vermutlich wieder um eine gezielte "Liquidation", nach israelischen Angaben war der Mann der Drahtzieher zahlreicher Terrorakte gewesen.

Zuvor waren bei Feuergefechten im Gazastreifen drei Palästinenser getötet worden. Palästinenser schafften es wieder, "Kassam-2"-Raketen abzufeuern, und einige Schläge, die die Armee einstecken musste, wurden von den Palästinensern als moralische Siege gefeiert: Ein Panzer wurde durch eine Bombe zerstört, ein Soldat wurde an einer Straßensperre erschossen, der Kommandant einer Eliteeinheit wurde durch eine einstürzende Mauer erschlagen.
Bei einer Bombenexplosion bei einem Armeestützpunkt nahe der Stadt Hadera wurden am Sonntag zwei Passanten verletzt. Polizisten hätten den palästinensischen Attentäter erschossen.

(DER STANDARD, Print, 18.02.2002)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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