"Lage instabil und gefährlich"

17. Februar 2002, 17:56
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Scharping: Keine Alternative zum Einsatz der Bundeswehr in Kabul

Hamburg/Berlin - Trotz der jüngsten Übergriffe auf Angehörige der internationalen Schutztruppe in Afghanistan sieht der deutsche Verteidigungsminister Rudolf Scharping keine Alternative zum Einsatz der Bundeswehr in Kabul. Der Schutz der dort eingesetzten Bundeswehrangehörigen werde "mit allen Kräften gewährleistet", sagte Scharping der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). Der Minister räumte ein: "Die Vorgänge in Kabul zeigen, dass die Lage in Afghanistan noch immer instabil und gefährlich ist - auch für unsere Soldaten." Jedoch steige die Fähigkeit der Bundeswehr zur Selbstverteidigung "mit jedem Tag, an dem zusätzliches Gerät in Afghanistan eintrifft."

Unterdessen schlug SPD-Außenpolitiker Gernot Erler in der "Bild am Sonntag" vor, die NATO selbst solle die Führungsrolle bei der Internationalen Friedensmission in Afghanistan übernehmen. Die afghanische Übergangsregierung hatte Deutschland ins Gespräch gebracht. Die Bundesregierung lehnte dies aber ab.

Nur die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland verfügen laut Erler über ausreichende militärische Fähigkeiten. Der Türkei, die derzeit im Gespräch ist, fehlten die logistischen Mittel für die anspruchsvolle Aufgabe. "Daher müssen die Fähigkeiten der NATO insgesamt herangezogen werden".

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Hans-Ulrich Klose, äußerte sich unentschieden, ob Deutschland eine Führungsrolle bei der Schutztruppe in Afghanistan übernehmen solle. "Ich habe ursprünglich große Sympathie dafür gehabt, dass wir eine Leadfunktion übernehmen sollten", sagte Klose im Deutschlandfunk. Allerdings sei es ein Nachteil, dass Deutschland sehr weit entfernt sei und weder die technischen Möglichkeiten noch das Gerät habe, um problemlos hin- und wieder herauszukommen. Deutschland könne dies nur leisten, "wenn die Europäische Union voll dahinter stünde und wenn die Amerikaner präzise zusagen, dass sie die logistischen Möglichkeiten, die uns nicht zur Verfügung stehen, dann bereitstellen". (APA)

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