Kirch: Schulden doppelt so hoch wie gedacht

19. Februar 2002, 15:22
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ProSieben hält an Fusionsplan fest

Frankfurt/Unterföhring/London - Die Schulden des Kirch-Konzerns sind nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" doppelt so hoch wie bisher angenommen. Die Verpflichtungen des Münchner Medienkonzerns beliefen sich auf mindestens 13 Mrd. Euro (179 Mrd. S), berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf ein Gutachten der Kirch-Gläubigerbanken. Dabei handle es sich um acht Mrd. Euro an Schulden und fünf Mrd. Euro an anderweitigen Verpflichtungen.

"Das sind nur die Schulden, die wir identifizieren können. Es könnte auch mehr sein", sagte ein Kenner der Studie dem Blatt. Ein Kirch-Sprecher wollte die Angaben demnach nicht kommentieren. Kirch hat bisher noch nie offiziell Angaben zum Stand seiner Schulden gemacht. Branchenkenner gingen aber bisher von rund sechs Mrd. Euro aus.

Zusammenbruch?

Sollte der Bericht zutreffend sein, wäre die Gefahr eines Zusammenbruchs von Kirch deutlich größer als vermutet. Der Konzern brächte dann deutlich mehr Hilfe von Außen. Bisher gelang des dem Unternehmen nach Presseberichten mehrere Gläubigerbanken, darunter die HypoVereinsbank, davon zu überzeugen, seinen Anteil am Axel Springer Verlag für 1,1 Mrd. Euro zu kaufen. Dies würde den Finanzengpass wegen anstehender Zahlungsverpflichtungen aber nur kurzfristig beseitigen.

ProSieben hält an Zeitplan fest

Die zur hoch verschuldeten KirchGruppe gehörende Fernsehsenderfamilie ProSiebenSAT1 Media AG, Unterföhring, hält an ihrem Zeitplan fest, den Sender mit der KirchMedia GmbH & Co KGaA, Ismaning, zu verschmelzen. "Wir sind im Zeitplan", erklärte Torsten Rossmann, Sprecher von ProSiebenSAT1 Media, am Dienstag. Allerdings beschäftige man sich während der Vorbereitungen und Prüfung der Fusion immer wieder mit der Frage des Zeitplans.

Unterdessen bemüht sich der ebenfalls zur KirchGruppe gehörende Pay-TV-Sender Premiere World um Vorauszahlungen von anderen Fernsehsendern von 200 Mill. Euro (2,8 Mrd. S) in bar. Im Gegenzug sollen die Übertragungsrechte der Formel Eins verlängert werden, berichtet die "Financial Times" am Dienstag. (APA)

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