Frankreich verabschiedet sich vom Franc

17. Februar 2002, 16:37
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Eine der ältesten Währungen Europas dankt ab - Vier von zehn Franzosen trauern

Paris - Frankreich nimmt Abschied vom Franc. Nach den Niederlanden und Irland schlägt am heutigen Sonntag um Mitternacht im zweitgrößten Euro-Staat die letzte Stunde für eine der ältesten Währungen Europas.

Nach dem 1. Jänner dauerte es nur ein paar Tage, bis sich die Franzosen daran gewöhnt hatten, dass Baguette und Bordeaux-Wein nun in Euro bezahlt werden, auch wenn die Umrechung (6,56 Franc = 1 Euro) schwer fiel. In Umfragen, die am Sonntag veröffentlicht wurden, bedauerten vier von zehn Franzosen den Abschied vom Franc.

Abgesehen von einigem Ärger mit den Banken, die sich als Wechselstuben zu fein waren, ging der historische Übergang zur neuen Währung reibunglos über die Bühne. Fast 95 Prozent der Bargeldzahlungen werden in Frankreich inzwischen in Euro beglichen.

Schwierigkeiten

Nur noch eine kleine Minderheit klagt über Schwierigkeiten, sich mit den neuen Münzen und Scheinen zurechtzufinden. Das Finanzministerium in Paris, das sich von allen Regierungen Europas die teuerste Euro-Kampagne leistete, verweist stolz darauf, dass auch ältere Leute inzwischen problemlos mit dem neuen Geld zurechtkämen.

Freilich gibt es auch in Frankreich Unmut über die Euro- Profiteure, Verbraucherschützer beklagen Preiserhöhungen bei Tabakwaren und Versicherungen. Dem gegenüber versichert Finanzminister Laurent Fabius, es gebe nur vereinzelte Ausreißer, die Inflation werde dadurch keineswegs angeheizt.

Viele Franzosen haben sich noch nicht von ihrem alten Geld getrennt. Nach Angaben der Banque de France sind in Frankreich Euro-Scheine im Wert von 26 Mrd. Euro im Umlauf und Franc-Scheine im Wert von 10,9 Mrd. Euro. Erst nach und nach werden die verbleibenden Franc-Milliarden getauscht werden.

Die gewöhnlichen Banken wechseln noch bis zum 30. Juni, die französische Notenbank Banque de France akzeptiert noch drei Jahre lang die alten Münzen und zehn Jahre lang die Scheine. Von den "Schlafmünzen" profitiert unter anderen das Rote Kreuz, das mittlerweile einen Berg von fast drei Tonnen für einen guten Zweck gesammelt hat.

Was mit den 8 Mrd. alten Geldstücken geschehen soll, die immerhin 37.000 Tonnen auf die Waage bringen - darüber wird in der Münzdirektion des Finanzministeriums noch nachgedacht. Fest steht, dass ein Teil der Metalle recycelt und danach vielleicht auch für die Prägung von Euro verwendet wird.

Bei den Scheinen ist die Sache klar:

Jährlich zieht die Banque de France routinemäßig rund 700 Millionen Scheine aus dem Verkehr und vernichtet sie, in diesem Jahr hat es die Notenbank mit der doppelten Menge zu tun. Die meisten Scheine werden zur Energiegewinnung in Fabriken verbrannt.

In dem Dorf Franqueville-Saint-Pierre nahe Rouen in der Normandie wollen der Drucker Olivier Bidou und einige Gesinnungsgenossen dem Franc ein Denkmal setzen. Geplant ist ein Riesen-Franc von vier Metern Durchmesser, dazu ein Museum und eine "Route du Franc".

Aber noch fehlt Bidou das Geld für die Franc-Gedenkstätte. Jetzt will er in einem "Appell an das französische Volk" zu Spenden aufrufen.

Im 300-Seelen-Dorf Montreuillon im ostfranzösischen Burgund ist hingegen alles auf Euro eingestellt, denn im angrenzenden Wald liegt das geografische Zentrum der Euro-Zone. Der Dorfplatz soll nun in "Place de l'Euro" umbenannt und für den Euro ein Denkmal aus Granit errichtet werden.

Viel Zeit bleibt dafür nicht:

Sobald ein weiteres Land der bisher zwölf Staaten umfassenden Euro-Zone beitritt, wird sich der geografische Mittelpunkt automatisch verschieben.

Seinen letzten Geburtstag feierte der französische Franc am 5. Dezember - es war der 641. Damit hat Frankreich eine der ältesten Währungen Europas. Seine Geburtsstunde hatte der Franc im Jahr 1360, mitten im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich.

Sein Name hat mit dem Schicksal des französischen Königs Johann dem Guten zu tun, der 1356 während der Schlacht von Poitiers in englische Gefangenschaft geriet. Gegen das sagenhafte Lösegeld von 3 Millionen Ecu - das entsprach 13,2 Tonnen Gold - ließen die Engländer Johann den Guten frei.

Zu Ehren dieses Tages wurde daraufhin eine Goldmünze geprägt und "Franc" genannt, denn "franc" bedeutet auch "frei". Das 3,88 Gramm schwere Geldstück aus Feingold zeigte Johann auf seinem Pferd, mit Panzerhemd und Helm und in der Linken ein Schwert schwingend.

Aber 1385 wurde die Prägung dieses Franc bereits wieder eingestellt. In den Jahrhunderten danach tauchte der Begriff "Franc" zwar immer wieder auf, doch war er immer nur kurze Zeite offizielles Zahlungsmittel, zumeist wurde mit Ecu bezahlt.

Die direkten Vorfahren des heutigen Franc, der Sonntagnacht seine Gültigkeit verliert, stammen von 1803, als unter Napoleon fünf verschiedene Franc-Silbermünzen sowie zwei Goldmünzen geprägt wurden.

1958 wurden dem Franc bei der Währungsreform unter General Charles de Gaulles zwei Nullen gestrichen, der neue Franc war also 100 alte Franc wert. Ein Euro wiederum ist 6,56 Franc wert. (APA)

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