Ökolandbau als Weg aus Welthungerkrise

17. Februar 2002, 09:00
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Studie: Bauern in Entwicklungsländern profitieren am meisten vom biologischen Landbau

Cardiff - Wissenschaftler der Universität von Cardiff haben in einer Studie festgestellt, dass Bauern in Entwicklungsländern am meisten vom biologischen Landbau profitieren. Demnach konnten vor allem in Gebieten, in denen die Felder unter schwierigen Bedingungen aber mit traditionellen Methoden, ohne Chemikalien oder Gentechnik, bewirtschaftet werden, Bauern enorme Ernteerfolge verzeichnen. Die Studie wurde von der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) auf der internationalen Messe für Naturkost "Biofach 2002" in Nürnberg präsentiert.

Studienautor Nicolas Parrott vom Department of City and Regional Planning an der Universität von Cardiff nennt in seiner Studie "The Real Green Revolution" eine Reihe von Beispielen, bei denen Öko-Landbau besonders effektiv in Erscheinung tritt: So fällt die Baumwollernte im indischen Madhya Pradesh um 20 Prozent höher aus, als die ihrer "konventionellen" Nachbarn. In Madagaskar ließ sich die Reisernte aus dem Anbau mit ökologischen Methoden der SRI (System of Rice Intensification) sogar verdoppeln. In Brasilien konnte der Maisanbau durch den Einsatz von natürlichen Dünger zwischen 20 und 250 Prozent gesteigert werden.

Besser als Gen-Pflanzen

"Entgegen der weit verbreiteten Meinung belegt die Studie, dass ökologische Landwirtschaft auch in den Entwicklungsländern sehr gut funktioniert", so Oliver Knowles, Sprecher von Greenpeace England bei der Präsentation der Studie. Dabei warnte die Umweltorganisation vor der Gefahr, dass große Agrarkonzerne mit Patenten auf Pflanzen und Saatgut den Bauern die landwirtschaftliche Produktion zunehmend diktieren. "Greenpeace und IFOAM fordern daher, besonders in den Entwicklungsländern die ökologische Landwirtschaft finanziell zu fördern", so Knowles.

"Das Welthungerproblem lässt sich nicht mit Genpflanzen bekämpfen, sondern mit der Förderung einer Landwirtschaft, die soziale und kulturelle Strukturen der Region, sowie das Wissen der Bauern berücksichtigt", meint der Experte. Es müsse daher dem Trend entgegengewirkt werden, dass weltweit operierende Konzerne die Agrarmärkte beherrschen. Global wird mehr als ein Viertel des Bodens landwirtschaftlich genutzt. Doch in den vergangenen 50 Jahren degradierten zwei Drittel dieser Fläche durch Erosion, Versalzung und Nährstoffabbau. Maßgeblich dazu beigetragen hat die von den Agrarkonzernen propagierte "Grüne Revolution", die die Hungersnot in den Entwicklungsländern durch Hochertragssorten, Kunstdünger und den Einsatz von Gentechnik bekämpfen sollte. "Stattdessen werden die Grundlagen wie fruchtbare Böden, sauberes Wasser und viele Pflanzenarten zerstört", so Knowles. (pte)

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